Eine verrückte Zeit voll Musik und Fußball – aber ohne Disco

Eine verrückte Zeit voll Musik und Fußball – aber ohne Disco

Die Stahlkrise, Cattenom geht ans Netz, Lafontaine wird Ministerpräsident - es war viel los Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger im Saarland und drumherum. Für mich als junges Mädchen auf dem Land in Nohfelden war das alles meistens aber weit weg. Mit 13, 14 hatte ich ganz andere Themen, vor allem meine Musik - und Fußball . Ja, viele wissen das vielleicht gar nicht, ich hab zu der Zeit im Verein gespielt, hatte später auf dem Gymnasium dann auch das Leistungsfach Sport mit dem Schwerpunkt Fußball . Mein Vater war Schiedsrichter, mein Bruder auch, das färbte einfach ab. Ich war so fußballverrückt, dass ich 1990 ohne Karten zum WM-Finale nach Rom gefahren bin. Und ich hab auf dem Schwarzmarkt wirklich noch Karten bekommen, das war eine grandiose Nummer. Ich erinnere mich aber auch noch gut an das 6:1 des FC gegen die Bayern 1977. Das war ja eine Sensation. Ich hab das damals im Fernsehen gesehen. Genau wie den Unfall von Jo Deckarm, als der 1979 in Ungarn auf den Boden geknallt ist. Das war schrecklich. Aber wie der Mann sich wieder ins Leben gekämpft hat, mit einem eisernen Willen, alle Achtung!

Als junges Mädchen hatte ich auch eine Phase, in der ich jeden Sonntag in die Kirche gegangen bin, ich war auch im Kirchenchor. Denn Musik ist nunmal mein Leben. So mit 13 habe ich bei den ersten Talentwettbewerben mitgemacht. Heute spielt sich ja alles in irgendwelchen Casting-Shows im Fernsehen ab. Ich bin damals mit meiner Gitarre zum Beispiel im Tanzcafé Thome in Quierschied aufgetreten, das bestimmt einige noch kennen. Und auf den Schmaustagen in Eppelborn hab ich mal einen Fernseher gewonnen.

Ich war als Jugendliche nicht der Typ, der jedes Wochenende in die Disco rannte, es gab auch nur eine in meiner Gegend, in Gonnesweiler. Ich hätte also nach Saarbrücken kommen müssen, aber ohne Auto ging das nicht - und Nachtbusse oder so etwas kannten wir nicht. Saarbrücken hingegen kannte ich schon als Kind gut. Ich bin schließlich dort geboren, hab mein erstes Lebensjahr in der Ludwigstraße 8 verbracht, hatte später am Staatstheater Ballettunterricht , außerdem hatte mein Opa in Saarbrücken eine Autowerkstatt. Da hab ich oft gespielt, hab mich in Autoreifen versteckt und musste oder durfte für Opa was am Kiosk am damaligen Gloria-Kino kaufen. Immer wenn ich dort vorbeifahre, denke ich heute noch gern an diese Zeit zurück. Die Werkstatt meines Opas ist dann aber der Westspange zum Opfer gefallen, die 1986 eröffnet wurde.

Zwei Jahre zuvor war in direkter Nähe zum Saarland noch was anderes eröffnet worden. In Luxemburg feierte man am 2. Januar 1984 die Geburtsstunde von RTL. Nana Mouskouri und ich gratulierten. Was für eine verrückte Zeit.

Nicole (Seibert, geborene Hohloch) gewann 1982 mit dem Lied "Ein bisschen Frieden" den Grand Prix d'Eurovision de la Chanson

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