Eine Frage der Ehre?Auszug aus dem Brief von Investor Kuhl an die LandesregierungAuszug aus dem Brief des Gondwana-Investors Kuhl an die Saar-Landesregierung

Eine Frage der Ehre?Auszug aus dem Brief von Investor Kuhl an die LandesregierungAuszug aus dem Brief des Gondwana-Investors Kuhl an die Saar-Landesregierung

Exakt drei Minuten und zehn Sekunden dauert es, bis der Chef der Staatskanzlei, Karl Rauber (CDU), mit getragener Miene ein Schreiben des Gondwana-Park-Betreibers im saarländischen Landtag vorgelesen hat. Drei Minuten und zehn Sekunden, in denen aus dem politischen Streit um die Finanzierung des Parks eine Schlacht wurde

Exakt drei Minuten und zehn Sekunden dauert es, bis der Chef der Staatskanzlei, Karl Rauber (CDU), mit getragener Miene ein Schreiben des Gondwana-Park-Betreibers im saarländischen Landtag vorgelesen hat. Drei Minuten und zehn Sekunden, in denen aus dem politischen Streit um die Finanzierung des Parks eine Schlacht wurde. Eine Schlacht um die Zukunft der Industriebrache Landsweiler-Reden und des Urzeit-Dino-Parks. Und womöglich eine Schlacht um die Funktion des Landesrechnungshofes und um die politische Zukunft von Karl Rauber. Die Betreibergesellschaft Gondwana Invest GbR bietet auf eineinhalb Din-A-4-Seiten die Auflösung der vom Landesrechnungshof scharf kritisierten Verträge an. Der Grund: Sie fühlt sich von der "obersten Prüfungsinstanz eines Bundeslandes (. . .) persönlich in den Schmutz" gezogen. Schlussfolgerung: Der Betrieb im Gondwana-Park soll von 1. Februar an eingestellt werden. Nach nur 13 Monaten, obwohl am Freitag noch von einer Erweiterung und von Zusatz-Investitionen des Investors Matthias Michael Kuhl die Rede war. Und sich das Ganze seinem Bekunden nach durchaus rechnet, selbst mit nur 200 000 statt der kalkulierten 250 000 Besucher. Eine Schließung, nachdem das Land jetzt bereits 8,5 Millionen Euro in die Infrastruktur des Ex-Gruben-Geländes gesteckt hat und 3,6 Millionen Euro Direkt-Fördermittel flossen. Ganz zu schweigen von den Mietkosten von bis zu 36 Millionen Euro, zu denen man sich für die nächsten 25 Jahre verpflichtet hat.

Ein Super-Gau? Nicht nur strukturpolitisch, sondern auch für die neue Jamaika-Regierung? Rauber ist als Aufsichtsratschef der Industriekultur Saar (IKS) GmbH, die das Ex-Grubengelände managt, mehr als ein Pflichtverteidiger des Parks. Er trat von Beginn an als "Minister Reden" auf, an ihm hing und hängt die Gesamtverantwortung. Rauber zerpflückt vor dem Landtag im Detail die Rechnungshof-Argumentation und kehrt die Angriffsspitze um. In einem späteren Gespräch mit der SZ sagt er: "Auch der Rechnungshof ist nicht unfehlbar." Man habe einen Investor vertrieben.

So weit ist es freilich noch nicht. Denn der Gondwana-Chef bietet der Regierung Verhandlungen an. Weil Kuhl erkrankt ist, verbreitet Pressechef Gunther Träger in seinem Namen folgende Botschaft: "Mein größter Wunsch ist es, nicht schließen zu müssen und mit meinen Mitarbeitern in Ruhe und Frieden unsere Arbeit am Standort in Reden verrichten zu dürfen. Voraussetzung dafür ist aber (. . .) eine einheitliche Unterstützung durch alle Parteien. Wir sind gerne bereit, um diese allgemeine Unterstützung zu erreichen, unsererseits auf Vorteile, die uns die bisherigen Verträge gewähren, zu verzichten, wenn es denn dadurch gelingt, einen parteiübergreifenden Konsens für Gondwana herzustellen, denn nur dann können wir diese Einrichtung mit Erfolg weiterbetreiben." Genau dies will auch Rauber: Dass Kuhl bleibt, den er als gedanklichen "Vater" und Motor des Projekts für annähernd unersetzbar hält. Rauber nimmt Kuhl im Gespräch mit der SZ gegen den Verdacht in Schutz, dieser wolle um weitere Vorteile pokern: "Für Kuhl ist das Ganze eine Frage der Ehre." Nächste Woche soll in einem ersten Gespräch zwischen Rauber, Kuhl, Wirtschafts- und Finanzministerium nach einer Lösung gesucht werden. Wofür? Den geforderten "parteiübergreifenden Konsens" wird man dort nicht zustande bringen. Eine Passage des Briefes lässt darauf schließen, dass Kuhl auf "Zusagen" des Landes pocht, die offensichtlich nicht eingehalten wurden. Mutmaßlich geht es hier um eine Brücke, die als Verbindung zwischen dem Bahnhof Landsweiler-Reden und dem Park geplant war und von der IKS nicht realisiert wurde.

Auch hält Kuhl wohl das Umfeld für noch nicht optimal hergerichtet, deutet sein Pressechef an und schließt aus, dass es Kuhl um "Cashflow" - direkte Finanz-Zuwendungen - gehe. Allerdings läuft manche Spekulation in diese Richtung: Dass Kuhl für Gondwana womöglich doch eine Risiko-Absicherung sucht, falls die Besucherzahlen weiter sinken.

Was aber passiert, wenn die Verhandlungen scheitern? Laut Vertrag fällt bei einer Gondwana-Schließung das Zechenhaus, das Kuhl für einen Euro erworben und im Auftrag der Landesregierung saniert hat (8,7 Mio. Euro), in den Besitz des Landes zurück. Die Mietzahlungen - 1,2 Millionen pro Jahr auf 25 Jahre - laufen freilich weiter, weil Kuhl diese an eine Bank abgetreten hat, um zu vergünstigten Krediten (16 Mio. Euro) zu kommen - ein bei Puplic-Private-Partnership-Projekten übliches Verfahren. Im Fall der Rückübertragung würde das Land die Mietsteigerungen (6,9 Mio.) sparen, müsste andererseits aber auch die Instandhaltungskosten übernehmen, die bei Kuhl lagen. Letzterer wäre verpflichtet, die Fördergelder zurückzugeben.

Der Betrieb im Zechenhaus, in dem ausschließlich Behörden untergebracht wurden, liefe unbeeinträchtigt weiter. Wenige hundert Meter entfernt läge jedoch schlimmstenfalls der Gondwana-Park brach. Kuhl, dem Gelände und alle Bauten gehören, könnte alles leer stehen lassen oder weitervermieten, auch zweckentfremdet. So entstünde eine Freizeitpark-Ruine auf einem erst teilweise erschlossenen Ex-Gruben-Gelände, es lässt sich ausmalen, was dies bedeutete. Das von Kuhl wach geküsste "Dornröschen Reden" - erste Umnutzungs-Pläne hatten das Areal als riesigen zugewucherten Rosen-Garten definiert - fiele wieder in eine Todesstarre. Saarbrücken. In einem Brief an Minister Karl Rauber legten die Gondwana-Betreiber ihre Motive für eine Einstellung des Urzeit-Park-Projekts dar. Hier einige Auszüge:

"(. . .) Die reflexartig aufheulende "Kreuzigt-Ihn-Reaktion" einiger öffentlicher Meinungsträger und Meinungsmacher auf den Rechnungshofbericht und bisher auf alles, was mit der finanziellen Gestaltung des Gondwana-Projektes zusammenhängt, macht es uns unmöglich, das Praehistorium wirtschaftlich vernünftig weiter zu betreiben. Wir werden zunehmend erpressbar für alle, die uns übelwollen. (. . .) Die Tatsache (. . .), dass uns nunmehr die oberste Prüfungsinstanz eines Bundeslandes derart persönlich in den Schmutz zieht und uns indirekt eine bewusste Hintergehung der Landesregierung vorwirft, um ein vermeintlich wirtschaftlich sinnloses Projekt zu betreiben, trifft uns sehr. Auf Grund dieses Berichts ist am letzten Sonntag einer unserer Mitarbeiter auf einer Tourismusmesse in Luxemburg von einem saarländischen Besucher lauthals als Steuerverschwender angepöbelt worden und werden wir auf Internetforen entsprechend beschimpft und bedroht, was es vor dem Hintergrund des eingangs beschriebenen Erpressungsgefährdungspotentials erforderlich macht, den Betrieb einzustellen." red

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