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Eine der gefährlichsten Waffen der Welt ist nun geächtet

Eine der gefährlichsten Waffen der Welt ist nun geächtet

New York. Sie haben Namen wie "Molotows Brotkorb" oder "Ananasbombe" und sind oft quietschbunt. Doch was die Streumunition verbreitet, ist Unheil und Tod. Eine gestern in Kraft getretene Konvention soll den verheerenden Minibomben den Garaus machen. Sie verbietet Herstellung, Lagerung, Handel und Einsatz von Streubomben. Papst Benedikt XVI

New York. Sie haben Namen wie "Molotows Brotkorb" oder "Ananasbombe" und sind oft quietschbunt. Doch was die Streumunition verbreitet, ist Unheil und Tod. Eine gestern in Kraft getretene Konvention soll den verheerenden Minibomben den Garaus machen. Sie verbietet Herstellung, Lagerung, Handel und Einsatz von Streubomben. Papst Benedikt XVI. lobte das Abkommen als bedeutenden Schritt für die Abrüstung. Zugleich rief er alle Regierungen auf, sich dem Bann dieser "heimtückischen Sprengwaffen" anzuschließen. Militärisch ist die im Zweiten Weltkrieg erstmals verwendete Streumunition ein Tausendsassa. Die Bomben und Granaten öffnen sich in der Luft und streuen eine Vielzahl, zuweilen Hunderte, von kleinen Granaten aus. Mit der Artillerie verschossen, können so viele Kleinladungen auf ein ganzes Gefechtsfeld niederregnen. Haupteinsatzgebiet der Streumunition sind "weiche", also ungepanzerte Ziele: Lastwagen, Unterstände, Jeeps - und Menschen. "Das Problem ist, dass die Munition nicht zwischen Zivilist und Soldat unterscheidet", sagt Thomas Küchenmeister, Chef des "Aktionsbündnisses Landmine.de". Es gebe internationale Untersuchungen, nach denen 98 Prozent der Opfer Zivilisten seien. Die noch größere Gefahr seien aber die Blindgänger, sagt Steve Goose von Human Rights Watch. "Auch bei den neuesten und besten Munitionstypen haben wir fünf bis zehn Prozent Versager." Die liegen dann auf den Schlachtfeldern von gestern und töten auch noch übermorgen. Im Krieg um das Kosovo 1999 setzte die Nato Streumunition ein, die USA im Irak 2003, Israelis und Hisbollah im Libanon 2006 und die Russen in Georgien 2008. Und in Afghanistan regnet die tödliche Fracht seit drei Jahrzehnten von beiden Seiten auf die Menschen nieder. Laut UN wurden zwischen 1978 und 2000 zwar mehr als 1,6 Millionen Sprengkörper entschärft. Im gleichen Zeitraum starben aber 2812 Menschen durch Blindgänger.Ausgerechnet die Länder mit den meisten Streubomben - China, Russland, USA, Israel - gehören nicht zu den Unterzeichnerstaaten der Konvention. "Kein Staat hat diese Konvention wirklich gewollt. Sie ist erst auf Druck der Menschen, von Bürgerinitiativen und Aktionskreisen entstanden", sagt Goose. Deutschland gehört zu den Unterzeichnern, hat aber eine Ausnahme durchgebracht. Die neue SMArt-Munition der Bundeswehr gilt demnach nicht als Streubombe. Die Granate hat den Ruf eines technischen Wunderwerks. Die einzelnen Bomblets scannen am Fallschirm baumelnd das Gefechtsfeld und können, sagt der Hersteller, genau militärische Ziele erkennen und bekämpfen. Falschziele würden ignoriert. Treffe das Projektil nicht, zerstöre es sich selbst. "Technisch ist das schon interessant", gibt Küchenmeister zu. "Aber wir sind unglücklich, weil mit der Ausnahme ein Tor geöffnet ist, durch das andere durchschlüpfen wollen."