„Ein Zuschuss zur Einbruchsicherung hilft den Bürgern“

„Ein Zuschuss zur Einbruchsicherung hilft den Bürgern“

Die Zahl der Einbrüche steigt. Unionsfraktionschef Volker Kauder hat deshalb eine steuerliche Vergünstigung vorgeschlagen, wenn die Bürger ihre Häuser und Wohnungen besser sichern. Ein fester Zuschuss sei jedoch sinnvoller, sagt der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, im Gespräch mit SZ-Korrespondent Hagen Strauß.

Herr Wendt, sind die Bürger leichtsinniger oder die Einbrecher dreister geworden?

Wendt: Von beidem ein wenig. Die Einbrecher haben sich deutlich besser organisiert. Und sie gehen auch arbeitsteilig vor. Der eine baldowert etwas aus, der andere bricht ein und der Dritte verhökert das Diebesgut. Auf der anderen Seite gibt es immer noch viele Menschen, die ihre Häuser und Wohnungen nicht vernünftig sichern, die hohe Sachwerte zuhause aufbewahren und glauben, die Polizei könnte rund um die Uhr darauf aufpassen. Das funktioniert nicht.

Wäre ein steuerlicher Anreiz sinnvoll, damit die Menschen sich besser vor Einbrüchen schützen?

Wendt: Ein steuerlicher Anreiz ist zwar von der Zielsetzung her richtig, aber ich halte ihn nicht für das geeignete Instrument. Wir haben schon viel zu viele Ausnahmetatbestände und das Steuerrecht ist kompliziert genug. Ich plädiere deshalb für eine direkte Unterstützung. Der einmalige Zuschuss sollte 20 Prozent dessen betragen, was jemand für die Einbruchsicherung aufwenden muss. Eine solche Regelung wäre einfacher umzusetzen und zu handhaben. Und sie hilft den Bürgern, denn die Einbruchssicherung ist kostspielig.

Was schlagen Sie für Neubauten vor?

Wendt: Die Bauvorschriften müssen neu gestaltet werden. Wenn jemand ein Haus baut, müssen Sicherheitseinrichtungen künftig zum bautechnischen Standard gehören. Das schafft mehr Schutz.

Muss die Kriminalitätsbekämpfung nicht auch grundsätzlich einen neuen Stellenwert bekommen?

Wendt: Eindeutig ja. Insbesondere in den Ländern sind viele tausend Planstellen bei der Polizei gestrichen worden. Auch wird die Personalentwicklung maßgeblich nicht von den Innenministern, sondern von den Haushaltspolitikern bestimmt. Dadurch richtet sich die Planung für die Polizeien der Länder nicht danach, was im Interesse der inneren Sicherheit notwendig ist, sondern wie viel Geld gerade in der Kasse ist. Das muss sich ändern. Ganz gruselig ist die Entwicklung in Ostdeutschland. Dort sollen rund 30 Prozent des Personals in den nächsten zehn Jahren wegfallen.

Welchen Anteil haben osteuropäische Banden am Anstieg der Einbruchsdelikte?

Wendt: Es sind nicht ausschließlich, aber oft Banden aus Osteuropa, die Einbrüche begehen. Diese Banden sehen in Deutschland ein besonders großes Tätigkeitsfeld. Wir haben immer gesagt, wenn die stationären Grenzkontrollen nach Osteuropa wegfallen, müssen wir Ausgleichsmaßnahmen schaffen. Die Polizei hinkt aber hinterher. Erst jetzt haben die Innenminister dazu eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die ein bundesweites Lagebild erstellen soll.

Zum Thema:

HintergrundAngesichts einer steigenden Zahl von Wohnungseinbrüchen hat sich Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) für Mindeststandards bei der Einbruchsicherung von Neubauten ausgesprochen. Die Anforderungen an Schlösser, Riegel, Fenster und Türen müssten "deutlich verbessert werden", sagte er der "Bild". Verbesserungen bei der Sicherung vor Einbrüchen sollten "in gewissem Umfang von der Steuer absetzbar sein". Die Zahl der Wohnungseinbrüche stieg laut Kriminalstatistik im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2011 um 8,7 Prozent. dpa