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Ein Zeichen der Solidarität – auch von den Reichen

Ein Zeichen der Solidarität – auch von den Reichen

Die weißen Sandstrände sind leer, viele Kokosplantagen zerstört: Neben tausenden von Todesopfern, die zu beklagen sind, haben die Menschen im Krisengebiet auf den Philippinen mit schweren Folgeschäden in Tourismus und Landwirtschaft zu kämpfen.

Gut zwei Wochen nach dem verheerenden Taifun auf den Philippinen gelingt es endlich, auch bislang nicht erreichte Krisengebiete mit Hilfslieferungen zu versorgen. Zuvor hatte das Krisen-Management der Regierung für viel Unmut gesorgt. In Leser-Kommentaren der wichtigsten philippinischen Tageszeitungen wurde harsche Kritik laut. Sie machte auch vor dem Präsidenten nicht Halt: Benigno Aquino habe die Folgen des Taifuns lange heruntergespielt und trage die Verantwortung für die nur schleppend angelaufene Hilfe, heißt es. Tatsächlich warteten noch eine Woche nach der Taifun-Katastrophe auf den Visayas in manchen Gebieten Einwohner auf Hilfe. Sie fühlten sich im Stich gelassen. An fehlender Solidarität liegt es nicht, dass bestimmte Regionen derart lange auf Überlebenspakete warten mussten. Überall im Land werden seit Tagen zahllose private Lieferungen organisiert, um die augenscheinlichen Lücken im Versorgungsnetz der Regierung zu stopfen. Doch reichen sie nicht überall hin, da manche (Flug-)Häfen beschädigt und Transportwege nicht passierbar sind.

Seit Tagen stand die Regierung in der Kritik, zu wenig Militär in die Krisengebiete entsandt und logistisch unzureichend reagiert zu haben. Die Frage, ob die Aquino-Regierung in den Tagen ihrer größten Prüfung versagt hat, spaltet die Kommentatoren wie selten in zwei Lager. Gibt es doch auch ernstzunehmende journalistische Stimmen, die die Verantwortlichen in Schutz nehmen und ihre Präventivmaßnahmen, darunter die Evakuierung von 800 000 Betroffenen, wie auch das logistische Krisen-Handling danach gutheißen. Sie verweisen darauf, dass diese Katastrophe selbst in einem derart krisenerprobten Land wie den Philippinen, wo es immer wieder zu Überflutungen und Erdbeben kommt, ohne Beispiel sei.

Immer wieder sieht man in diesen Tagen in der philippinischen Hauptstadt Manila stapelweise Kartons und Reissäcke in Einfahrten stehen. Besonders in Reichen-Ghettos: Entdeckt man dort wieder sein Herz für Notleidende? Manche helfen immer. Etwa die "Alig"-Frauen, ein Club europäischer Unternehmer-Ehefrauen, die gleich nach den ersten Schadensmeldungen 300 Kisten bestückten und per Schiff nach Tacloban bringen ließen.

Während die Zahl der Todesopfer des Taifuns jüngsten Schätzungen zufolge nun wohl doch unter 10 000 liegen wird, müssen die erwarteten Gesamtschäden mit jedem Tag nach oben korrigiert werden. Auf 20 Milliarden Peso (etwa 360 Millionen Euro) werden sie augenblicklich beziffert. Die Folgeschäden für Landwirtschaft und Tourismus dürften nicht eingerechnet sein. In bestimmten Gebieten, etwa Batayan, Iloilo oder Antique, sind 80 Prozent der Kokosplantagen zerstört - neben dem Tourismus und dem Fischfang die Haupteinnahmequelle. Weil Kokospalmen erst nach zehn Jahren tragen, stehen viele Bauern vor dem Ruin. Ähnlich geht es denen, die vom Tourismus leben. In Marabut etwa, dessen weiße Sandstrände bislang das Klischeebild Tropenparadies perfekt bedienten, sind 31 der 32 Hotels beschädigt. Fast beschwörend verweist der Tourismusminister darauf, dass der Taifun nur sechs der über 7000 Inseln des Pazifik-Archipels regelrecht umgepflügt hat. Und doch scheinen im Ausland viele zu glauben, das ganze Land sei verwüstet. Und stornieren Reisen. Dabei wäre der Tourismus für die gebeutelte Volkswirtschaft gerade jetzt wichtig.