Flüchtlinge der „Aquarius“: Ein sicherer Hafen auf Mallorca

Flüchtlinge der „Aquarius“ : Ein sicherer Hafen auf Mallorca

Nach einer Odyssee im Mittelmeer ließ Spanien im Juni das Rettungsschiff „Aquarius“ anlegen. Ein Teil der Flüchtlinge kommt nun in einem mallorquinischen Kloster unter.

Es ist still in Son Rapinya im Westen von Mallorcas Hauptstadt Palma, fast dörflich. In dieser friedlichen Oase, fernab vom Ballermann-Radau, liegt das ehemalige Kloster der Barmherzigen Schwestern. Bald werden hier zwei Dutzend der „Aquarius“-Flüchtlinge einziehen, die eine tagelange Irrfahrt durch das Mittelmeer erlebt haben. Die meisten kommen aus dem von sozialen und ethnischen Konflikten gebeutelten Sudan. In dem früheren Nonnenkonvent sollen sie einen sicheren Hafen finden.

„Ich denke, dass die 23 Flüchtlinge Ende der Woche hier sein werden“, sagt Tomeu Miralles. Der 41-Jährige ist der Koordinator des neuen Flüchtlingszentrums, das vom Roten Kreuz verwaltet wird.

Rückblick: Die von der Hilfsorganisation SOS Méditerranée gecharterte „Aquarius“ hatte im Juni 629 Menschen vor der libyschen Küste gerettet und an Bord genommen. Fast alle stammen aus afrikanischen Staaten, in denen Bürgerkriege, Milizen oder Despoten wüten und Menschen hungern. Sudan, Südsudan, Eritrea, Nigeria. Dann aber verweigerten sowohl Italiens fremdenfeindlicher Innenminister Matteo Salvini als auch Malta die Aufnahme der Migranten. Mehrere Tage lang harrte das Schiff auf See aus, während die Lage für die Menschen an Bord immer prekärer wurde. Schließlich gab die neue sozialistische Regierung Spaniens ihre Zustimmung zur Anlandung – jedoch musste die „Aquarius“ 1500 Kilometer zurücklegen und gegen teils meterhohe Wellen ankämpfen, bis sie schließlich in Valencia ankam. 106 Migranten waren an Bord, zwei italienische Schiffe hatten die restlichen Migranten von der „Aquarius“ aufgenommen. Seither gilt Spanien als eine Art Vorreiter in puncto Flüchtlingspolitik – auch wenn die Regierung schnell deutlich machte, dass sie keineswegs bereit ist, die Verantwortung künftig alleine zu tragen. Erst vor wenigen Tagen hatte die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitgeteilt, dass Spanien offenbar das neue Hauptziel ist. Die Zahl der Menschen, die die westliche Mittelmeer-Route wählen, hat sich bis Mitte Juli 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum fast verdreifacht und übertrifft nun die Ankünfte in Italien und Griechenland. Nicht nur die Regierenden, sondern auch die Spanier selbst sehen sich in der Pflicht. Eine jüngste Umfrage der NGO Oxfam Intermón ergab, dass der weltweit wachsende Rassismus 80 Prozent der Spanier mit Besorgnis erfüllt. „Wir haben festgestellt, dass die meisten Spanier ihren Werten Vorrang vor ihren Ängsten geben“, sagte Oxfam-Expertin Eva Garzón.

Was erwartet die Migranten von der „Aquarius“ nun auf Mallorca? „In den ersten sechs Monaten versuchen wir, ihre Grundbedürfnisse abzudecken und sie auf das Leben auf der Insel vorzubereiten“, sagt der gelernte Sozialpädagoge Miralles. Dazu gehören neben medizinischer und psychologischer Betreuung auch Sprachkurse und Workshops, die Behördengänge sowie Job- oder Wohnungssuche erleichtern sollen. In einer weiteren sechsmonatigen Phase sollen die Flüchtlinge eine eigene Wohnung suchen und spätestens nach 18 Monaten einen Job gefunden haben – so zumindest der Plan.

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