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Ein Rückschlag für die Frauenrechte

Ein Rückschlag für die Frauenrechte

Am 26. Dezember 2004 bebte die Erde im Indischen Ozean. Es folgte ein Tsunami, meterhohe Wellen zerstörten alles, was im Weg stand. Wie sich zeigte, starben weitaus mehr Frauen als Männer. Das hat neue Probleme gebracht.

"Es ist, als ob es gestern passiert wäre." Nasrul Affan wischt sich Tränen aus den Augen. "Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht daran denke." Der 42-Jährige aus Aceh in Indonesien hat den Tsunami an Weihnachten vor zehn Jahren überlebt. Er wurde ins Meer hinausgerissen, konnte aber ans Ufer schwimmen. Seine Frau und die zwei gemeinsamen Kinder aber wurden niemals gefunden. Wie sich zeigen sollte, sind bei der Katastrophe mit Wellen so hoch wie die Kokospalmen weitaus mehr Frauen als Männer umgekommen. Neben dem entsetzlichen Leid nach über 170 000 Toten allein auf der Insel Sumatra drohte mit den überwiegend nur männlichen Überlebenden das ganze Gesellschaftsgefüge auseinanderzubrechen.

Nasruls Dorf Baro gehörte zu den am schlimmsten betroffenen Gebieten. Von den etwa 2000 Einwohnern überlebten nur 200. Davon waren 80 Prozent Männer . "Nach dem Tsunami gab es nur noch eine Handvoll Frauen und Kinder hier im Dorf", sagt er. Er hatte Glück und fand eine Frau.

Warum viel mehr Frauen unter den Opfern waren, haben die Vereinten Nationen und die Hilfsorganisation Oxfam untersucht. Ein Faktor sei, dass viele Frauen und Kinder zwar schwimmen konnten, doch nicht genug Kraft hatten, um den Wassermassen zu widerstehen. Zudem sind viele der Männer Fischer und sie waren zum Katastrophenzeitpunkt auf hoher See. Dort hob der Tsunami zwar den Meeresspiegel an, die Boote blieben aber intakt.

Im überwiegend muslimischen Indonesien ist Aceh die konservativste Provinz. Verwitwete warten dort Jahre, ehe sie wieder heiraten. Der Tsunami hat jedoch auch viele Traditionen nachhaltig verändert. Überlebende sagen, eine neue Ehe sei für sie ein Weg gewesen, um über das Erlebte hinwegzukommen. Nasrul hat eine Frau aus einer anderen Region geheiratet. "Ich hatte damals nichts mehr. Aber ich musste mein Leben neu beginnen." Auch der 43-jährige Fischer Ahlan Yatim hat wieder geheiratet. "Ich war so deprimiert, ich habe oft mit mir selbst geredet."

Mit Unterstützung der Hilfsorganisationen haben die Bewohner ihre Häuser längst wieder aufgebaut. Für die Aktivistin Suraiya Kamaruzzman hat die Tragödie der vielen gestorbenen Frauen auch einen Rückschlag für die Frauenrechte mit sich gebracht. Die wenigen Überlebenden hätten in Flüchtlingslagern hausen müssen. Sie hätten keine Lobby gehabt. So seien viele Frauen Opfer sexueller Gewalt geworden, sagt Suraiya. Viele Ehen waren arrangiert und scheiterten, weil sich die Partner nicht gut genug kannten, sagt sie.