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Zukunft der Air Berlin: Ein rot-weißer Niedergang und viele offene Fragen

Zukunft der Air Berlin : Ein rot-weißer Niedergang und viele offene Fragen

Die Pleite der Air Berlin sorgt für mächtige Turbulenzen: Während die Konkurrenz vor Wut kocht, sorgen sich Reisende um schon gebuchte Flüge.

Mit Garantien über 150 Millionen Euro will die Bundesregierung sicherstellen, dass Air Berlin noch bis November weiter fliegen kann. Vor allem soll so garantiert sein, dass Urlauber wieder heimreisen können und keine Flüge ausfallen. Während Konkurrent Ryanair heftig gegen den Polit-Kredit protestiert, sind auch Reisende verunsichert, wie es mit der Airline weiter geht. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten:

Mit welchem Geld stützt die Bundesregierung Air Berlin?

Es handelt sich um Garantien der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Ausdrücklich wurde vereinbart, dass es sich um vorrangige Kredite handelt. Das bedeutet, dass die Forderungen aus der Kreditmasse vor allen anderen Gläubigern bedient werden müssen. Der Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union schränkt staatliche Beihilfen stark ein, wenn der freie Wettbewerb dadurch nicht mehr gewährleistet ist. Allerdings: Wenn eine Förderung mit dem Binnenmarkt vereinbar ist, kann die Kommission der Zahlung zustimmen.

Dennoch klagt Konkurrent Ryanair bei der EU-Kommission dagegen. Was passiert nun?

„Beschwerden von Wettbewerbern haben keine aufschiebende Wirkung“, betonte die Kommission gestern. Das heißt: Weil die EU-Behörde von der Bundesregierung über die Beihilfe informiert wurde, stehen die Finanzen zur Verfügung. Allerdings wird die Zahlung noch genau geprüft, bevor ein endgültiger Bescheid erteilt wird. Das könne bis zu zwei Monate dauern, erklärte die Kommission gestern.

Ryanair begründet die Klage damit, dass durch die staatliche Garantie eine Übernahme von Air Berlin durch die Lufthansa erleichtert werden solle. Ist das kein Thema für die Kommission?

Doch. Man prüfe nicht nur die Bitte der Bundesregierung um Genehmigung einer staatlichen Beihilfe, sondern auch das gesamte Umfeld, hieß es in Brüssel. Experten gehen indes davon aus, dass es keine größeren Schwierigkeiten für die Zustimmung zu dem Kredit gibt. Falls nicht, müsste die Bundesregierung ihre Garantien sofort stoppen und ausgezahlte Darlehen unmittelbar zurückfordern.

Kunden der Airline sorgen sich jetzt um ihre Reisen. Was passiert mit bereits gebuchten Flügen?

Alle Flüge von Air Berlin und Tochter Niki finden im Moment wie geplant statt, teilte das Unternehmen mit. Auch behalten die Flugpläne ihre Gültigkeit. Das bedeutet für Kunden der rot-weißen Airline, die sich zum Beispiel gerade im Sommerurlaub befinden oder in diesen starten möchten, dass sie ihre gebuchten Flüge auch antreten können.

Wie sinnvoll ist es, gekaufte Flugtickets zu stornieren?

Wer nicht abwarten will, ob Air Berlin in ein paar Monaten noch fliegt oder nicht, kann versuchen, sein Ticket zu stornieren. Das ist allerdings nicht immer möglich – oder sinnvoll. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät derzeit von einer Stornierung ab. Denn Kunden haben nur Anspruch auf eine Erstattung der Steuern und Gebühren und nicht immer auf den Ticketpreis. „Eine Stornierung ist auch noch zu einem späteren Zeitpunkt möglich“, sagt Reiserechtsexperte Paul Degott. Kunden sollten stattdessen lieber genau beobachten, wie sich die Lage entwickelt.

Ist es sinnvoll, jetzt noch bei Air Berlin zu buchen?

Gute Frage, schließlich ist der Sommerflugplan 2018 bei Air Berlin bereits buchbar. Doch Experten sind sich einig: Wer jetzt Tickets kauft, geht ein Risiko ein. „Im schlechtesten Fall verliere ich mein Geld“, sagt die Juristin Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg. Das könnte passieren, wenn ein Flug nicht mehr stattfindet und das Ticket nicht erstattet wird, sondern in der Insolvenzmasse aufgeht. Wie es ab November weitergeht, hängt davon ab, ob Air Berlin übernommen wird und die Flüge weiter angeboten werden. Der Reiserechtsexperte Ernst Führich rät zu Vorsicht: „Für das Weihnachtsgeschäft und darüber hinaus würde ich keine Flüge mehr bei Air Berlin buchen.“