Ein Papst greift durch

Papst Franziskus hat einen zentralen Wunsch – „eine arme Kirche für die Armen“. Was der 76-Jährige im März kurz nach seiner Wahl bescheiden formulierte, wird vielerorts als Kampfansage an verkrustete Strukturen und offenkundige Missstände gewertet.

Schon vor seiner Wahl beklagte er eine "selbstbezogene Kirche", in der ein gewisser "theologischer Narzissmus" herrsche. Von heute an berät er nun erstmals mit einer Sonderkommission aus acht Kardinälen über konkrete Reformschritte. Beobachter sehen bereits die umfangreichste Erneuerung der Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil der 1960er Jahre heraufziehen, das als ihr Aufbruch in Richtung Moderne gilt.

Ziel der Kommission, die der Papst gestern zu einer ständigen Einrichtung aufwertete, ist zunächst eine Reform der Kurie - also der Gesamtheit der Behörden, die dem Papst bei der Leitung der Kirche helfen. Dass die Operation am Haupt aber bis zu den äußersten Gliedern reichen soll, macht Franziskus immer wieder deutlich. Er wäscht inhaftierten Frauen die Füße, kommt mit Drogensüchtigen zusammen, fordert Barmherzigkeit für Schwule und Geschiedene sowie Gnade für Frauen, die sich nach einer Abtreibung reuig zeigen.

Keines der zentralen katholischen Dogmen stellt der Papst dabei in Frage. Die praktischen Auswirkungen der Kirchenregeln sollen sich jedoch grundlegend ändern. Es geht um ein neues Verständnis, um Haltung und Stil. Geistliche müssten einschätzen können, "was das Richtige für einen Menschen ist, der Gott und seine Gnade sucht". "Der Beichtstuhl ist kein Folterinstrument", lautet eine der deutlichsten Mahnungen an Priester, die aus Verbitterung über die Welt zu "Verwaltern" und "Antiquitätensammlern" zu werden drohten.

Für frischen Wind im Vatikan und darüber hinaus sollen in der Kommission acht Kardinäle sorgen. Für Europa gehört Reinhard Marx dem Gremium an, für Nordamerika Sean Patrick O'Malley aus den USA, für Südamerika Oscar Andrés Rodríguez Maradiaga aus Honduras, für Afrika Laurent Monsengwo Pasinya (Kongo), für Asien der Inder Oswald Gracias und für Ozeanien George Pell aus Australien. Hinzu kommen der Italiener Giuseppe Bertello, sozusagen Regierungschef des Vatikan, sowie der Chilene Francisco Javier Errázuriz Ossa. Die Schwergewichte, auch "G8" oder "Kronrat" genannt, sollen Franziskus laut Auftrag "bei der Regierung der Kirche beraten" und eine Reform der Kurienverfassung "Pastor Bonus" erarbeiten.

Seit ihrer Berufung finden telefonische Beratungen statt. Das dreitägige Treffen ist jetzt die erste echte Zusammenkunft der Kommission mit dem Papst. Ob bereits Entscheidungen getroffen werden, ist offen. Fest steht augenscheinlich, dass der Papst es mit der Erneuerung der Kirche ernst meint. Die Affären und Skandale des Vatikan sollen ein Ende haben, Negativschlagzeilen der Geschichte angehören. Wie das ramponierte Ansehen aufpoliert werden soll, liegt nun unter anderem in den Händen der "G8".

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