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Ein Muslim als Monsieur le Président

Ein Muslim als Monsieur le Président

Frankreichs Star-Autor Michel Houellebecq sorgt mit seinem neuen Buch für Zündstoff. In „Unterwerfung“ wird ein Muslim neuer Präsident. Für den rechten Front National ein Grund mehr, die Angst vor dem Islam zu schüren.

Mohammed Ben Abbes heißt der französische Präsident im Jahr 2022. Zumindest, wenn es nach dem Schriftsteller Michel Houellebecq geht. In seinem neuen Roman "Unterwerfung", der heute in Frankreich und nächste Woche in Deutschland erscheint, wählt Frankreich in sieben Jahren einen muslimischen Staatschef. Der gemäßigte Ben Abbes, der als Kandidat einer islamistischen Partei von Sozialisten und Konservativen unterstützt wird, gewinnt die Stichwahl um das Präsidentenamt gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen . Umfragen sehen die Chefin des Front National (FN) bereits 2017 in der zweiten Runde, so dass dieser Teil des Szenarios durchaus realistisch ist. "Ich beschleunige die Geschichte, aber ich kann nicht sagen, dass es eine Provokation ist", sagte der gerade für seine provokanten Äußerungen bekannte Autor zum Verkaufsstart.

Der Roman Houellebecqs hat schon vor Erscheinen eine lebhafte Debatte ausgelöst. Denn sein Bild von Frankreichs Zukunft ist für Rechtsextreme Anlass, erneut vor den Muslimen zu warnen, die ihrer Ansicht nach die französische Kultur bedrohen. "Eine Fiktion, die eines Tages Wirklichkeit werden könnte", kommentiert Marine Le Pen das Buch. "Er befördert die Ideen des Front National ins Herz der intellektuellen Elite", kritisiert die linksgerichtete Zeitung "Libération". Hatte doch der Gründer des FN, Jean-Marie Le Pen, bereits vor zehn Jahren prophezeit: "Der Tag, an dem wir in Frankreich nicht fünf, sondern 25 Millionen Muslime haben, werden sie das Kommando übernehmen." Wegen Anstiftung zu Diskriminierung, Hass und rassistischer Gewalt war der FN-Gründer zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Seine Tochter Marine will das neue Buch von Houllebecq auf alle Fälle lesen. Auch Präsident François Hollande kündigt die Lektüre des neuen Werks des meistgelesenen französischen Autors an, der durch "Elementarteilchen" und "Ausweitung der Kampfzone" bekannt wurde. Allerdings warnt der Präsident davor, sich von der "Angst vor dem Untergang" mitreißen zu lassen. Houllebecq räumt ein, in seinem Buch seine ängstliche Seite auszuleben. "In Wirklichkeit weiß man nicht genau, wovor man Angst hat. Ob vor denen, die auf französischer Identität beharren, oder vor den Muslimen", sagt er der "Welt am Sonntag".

Französische Muslime verstehen "Unterwerfung" als Provokation. Der Rektor der Großen Moschee von Bordeaux, Tareq Oubrou, vergleicht Houellebecq mit dem wegen Aufstachelung vom Rassenhass verurteilten Journalisten Eric Zemmour. "Das Buch von Houellebecq ist dasselbe wie Zemmour, nur softer", bemerkt Oubrou im Radio. Zemmour hatte zuletzt vor Weihnachten für Empörung gesorgt, als er die Ausweisung der in Frankreich lebenden Muslime gefordert hatte. Frankreich hat mit fünf Millionen die größte muslimische Gemeinde Europas. Deren Unmut erregte Houellebecq bereits 2001, als er den Islam als die "dümmste Religion" bezeichnete.