Ein Mann mit Herz und Haltung: Parteien trauern um Peter Hintze

Ein Mann mit Herz und Haltung: Parteien trauern um Peter Hintze

Er war Verfasser umstrittener CDU-Wahlkampagnen und Verfechter ethischer Überzeugungen im Bundestag. Jetzt hat Peter Hintze seinen Kampf gegen den Krebs verloren. Die Trauer um den jovialen Politiker ist groß.

Bundestagsvizepräsident Peter Hintze ist tot. Der frühere CDU-Generalsekretär starb in der Nacht zum Sonntag im Alter von 66 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung, bestätigte die Union in Berlin .

Der Tod des Politikers löste parteiübergreifend Trauer und Betroffenheit aus. "Mit seinem unermüdlichen Einsatz zum Wohle unseres Landes hat Peter Hintze sich über alle Parteigrenzen hinweg große Anerkennung erworben", schrieb Bundespräsident Joachim Gauck der Witwe Petra Hintze in einem Brief. Gauck würdigte Hintzes Leidenschaft, "seine Geradlinigkeit, seine Warmherzigkeit und seine besondere Fähigkeit, dem anderen zuzuhören, immer in Erinnerung bleiben". Kanzlerin Angela Merkel erklärte, mit Hintze verliere die Union "eine ihrer herausragenden Persönlichkeiten". Der studierte Theologe habe "aus seinem Glauben die Kraft für seine politische Arbeit" gezogen. Hintzes Kollegin, Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau von der Linken, äußerte sich über Twitter "traurig". "Früher stritten wir über rote Socken, später hörten wir einander zu, warben um Respekt und Demokratie."

Peter Hintze wurde am 25. April 1950 in Bad Honnef bei Bonn geboren und studierte nach dem Abitur in Bonn und Wuppertal evangelische Theologie. Nach dem Vikariat war er von 1980 bis 1983 Pfarrer in Königswinter bei Bonn, danach bis 1990 Bundesbeauftragter für den Zivildienst. Seit 1990 saß er im Bundestag. Er gehörte zum kleinen Kreis von Unions-Vertrauten, die Kanzlerin Merkel lange und gut kennt: Anfang der 1990er Jahre war Hintze Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Frauen und Jugend - unter der damaligen Ressortchefin Merkel. 1994 und 1998 organisierte er für Kanzler Helmut Kohl als CDU-Generalsekretär die Bundestagswahlkämpfe.

Für den Machtverlust 1998 wurde Hintze wegen seiner auf Abgrenzung zum linken Lager setzenden "Rote-Hände"-Kampagne mitverantwortlich gemacht. Merkel löste ihn im Amt des CDU-Generalsekretärs ab. Doch der Kohl-Mann überstand den politischen Umbruch. 2005 wurde er Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, 2007 zusätzlich Koordinator der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrttechnik, mit Beginn der laufenden Legislaturperiode im Oktober 2013 dann Bundestagsvizepräsident.

Für seine Überzeugungen kämpfte Hintze hartnäckig - etwa gegen das Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID). Mit seiner liberalen Position in der Debatte um Sterbehilfe stellte sich der evangelische Pfarrer nicht nur gegen die Spitze seiner Partei und die Mehrheit seiner Fraktion, sondern auch gegen die eigene und die katholische Kirche. "Er war ein wahrhaft streitbarer Demokrat", twitterte Bundestagsvize Claudia Roth .

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