Ein Land geht gemeinsam neue digitale Wege

Ein Land geht gemeinsam neue digitale Wege

IDS Scheer : Der Fels in der Brandung", so titelte ‚wallstreet online‘ am 18. Januar 2001. Dass ein Saarländisches IT-Unternehmen 1999 mit damals rund 800 Mitarbeitern von Burbach aus erfolgreich den Gang an die Börse in Frankfurt wagte, hatte Symbolkraft für die gesamte Dekade 1996 bis 2006. Es sollte das Jahrzehnt werden, das das Saarland grundlegend verändern würde, eine Dekade, die dem Strukturwandel von Kohle und Stahl in Richtung IT-Exzellenz deutliche Impulse geben sollte.

1999 wurde Peter Müller als CDU-Ministerpräsident gewählt - nach einem Wahlkampf, der den Ausstieg aus der Kohleförderung in den Mittelpunkt gestellt hatte. Peter Müller war es denn auch, der mich bat, seinem Kabinett als Beauftragter für die Aufgabenbereiche Innovation, Technologie und Forschung zur Verfügung zu stehen. Regelmäßig trafen sich samstags am Vormittag Peter Müller und die Minister für Wirtschaft und Finanzen, der Chef der Staatskanzlei, zwei meiner Mitarbeiter und ich, um die Innovationsstrategie des Saarlandes zu entwickeln. Es wurde für das Saarland eine Stärken- und Schwächenanalyse erstellt, die dann in der Definition von Handlungsschwerpunkten in Form folgender Innovations-Cluster mündete: Biotechnologie, Automobil, Bildung, Logistik, Energie und IT. Dabei wurden Forschung, Ausbildung und Wirtschaft miteinander verbunden, um die gesamte Innovationskette "von der Idee zum Produkt" zu unterstützen.

Diesen frischen Wind für die noch junge IT-Branche habe ich auch an meinem Institut für Wirtschaftsinformatik an der Saar-Universität erlebt. Unsere Studenten begeisterten sich für die neuen Forschungsschwerpunkte der Digitalisierung . Meine Studierenden erlebten meine Doppelrolle als Unternehmer und Hochschullehrer. Ich versuchte sie zum Unternehmertum zu motivieren. Das Saarland braucht schließlich tüchtige und mutige Unternehmer für den Strukturwandel . Auch mit meiner weiteren Leidenschaft, dem Jazz , war und bin ich im Saarland bestens aufgehoben und verankert. Ich habe mit verschiedenen saarländischen Musikern wie Oliver Strauch und Johannes Müller viele gut besuchte Auftritte - auch in der ganzen Bundesrepublik und darüber hinaus - realisieren können. Der Jazz hat mich zudem Dinge gelehrt, die weit über die Musik hinausgehen. Jazz lebt vom ständigen Lernen der Musiker. Jeder hört auf jeden, jeder ist mal Solist, mal Begleiter. Überraschende Situationen entstehen, die zu neuen Lösungen inspirieren. Dies ist auch Vorbild für das Management eines Unternehmens oder für den Umbau eines Bundeslandes im Strukturwandel . Trotz aller Begeisterung für die Digitalisierung möchte ich mein Saxophon allerdings weiterhin analog spielen!

August-Wilhelm Scheer, Uni-Professor, Beiratschef der Scheer GmbH, Politik-Berater

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