"Ein herrlicher ostpreußischer Sommertag"

"Ein herrlicher ostpreußischer Sommertag"

Saarbrücken. Wie schön ruhig und idyllisch muss es doch am 22. Juni 1941 gewesen sein. "Es ist der Tag der Sommersonnwende - ein herrlicher, ostpreußischer Sommertag. Friedlich und heiter glänzen die masurischen Seen im Sonnenschein. Die Landschaft atmet tiefsten Frieden", schreibt die Saarbrücker Zeitung am darauffolgenden Tag

Saarbrücken. Wie schön ruhig und idyllisch muss es doch am 22. Juni 1941 gewesen sein. "Es ist der Tag der Sommersonnwende - ein herrlicher, ostpreußischer Sommertag. Friedlich und heiter glänzen die masurischen Seen im Sonnenschein. Die Landschaft atmet tiefsten Frieden", schreibt die Saarbrücker Zeitung am darauffolgenden Tag. Doch schon die folgenden Zeilen entlarven die angebliche Idylle als Kriegspropaganda: "In den Wäldern überall liegen die feldgrauen Regimenter und Division, denen der Befehl gegeben wurde, ihre gewaltige Kraft gegen den Feind zu entladen."Morgen vor 70 Jahren begann der Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion, Deckname "Unternehmen Barbarossa". Auf den ersten Seiten der SZ vom Folgetag ließen die Redakteure ihrer Begeisterung freien Lauf: "Vernichtungsschläge gegen Rote Luftwaffe", "Die Stunde der Abrechnung", "Rom begrüßt den Kreuzzug gegen den Bolschewismus" oder "Der Führer enthüllt das Doppelspiel Moskaus". In einer "Drahtmeldung unserer Berliner Schriftleitung" heißt es: "Dem deutschen Soldaten ist eine neue, schwere Aufgabe gestellt worden, aber unsere Gegner haben die Sieger einzigartiger und einmaliger Feldzüge, die Sieger von Norwegen, Frankreich, Nordafrika und Kreta zum Kampf herausgefordert. Es gibt kein Hindernis, das der deutschen Wehrmacht zum Siege Halt gebieten könnte."

Die SZ schilderte, wie Saarbrücken jenen 22. Juni 1941 - den Auftakt zum Vernichtungskrieg mit Millionen Toten - erlebte: "Schon um sechs Uhr morgens schallen aus Häusern, aus Fenstern, von einer Straße in die andere hinüber die Lautsprecher. (. . .) Der Atem eines Geschehens weittragendster Bedeutung weht durch die Stadt. Vom Wissen um den Ernst dieser Stunde verstummt alles, was in ausgelassener Fröhlichkeit dem Sommertag sich hingeben möchte. Keiner kann vom Lautsprecher weichen. Die ersten Frontberichte werden fieberhaft erwartet. Die innerlich bewegte Erregung findet vielfachen Niederschlag. Die ahnungslosen Reisenden werden am Bahnhof auf den Bahnsteigen mit der Nachricht überfallen. (. . .) 'Keine Angst, die kriegen auch noch eins aufs Dach!' - 'Mit denen werden unsere Soldaten auch noch fertig!' Das sind die Stimmen in der Stadt."

Der Sprung zum nächsten Thema könnte größer nicht sein, auch wenn der Fußballsport seit jeher gerne sprachliche Anleihen beim Krieg nimmt. Es geht um einen "Nichtangriffspakt", den von Gijón (Spanien). Das deutsche Fußball-Nationalteam und die Elf Österreichs lieferten sich am 25. Juni 1982 im WM-Spiel eine skandalöse Vorstellung. Weil beim Spielstand von 1:0 nach elf Minuten beide Mannschaften die nächste Runde erreicht hatten, spielten sie sich in den verbleibenden 80 Minuten nur noch den Ball zu und zogen sich - wie die SZ schrieb - "in das Schneckenhaus des Anti-Fußballs zurück".

"Trauerspiel", "Blamage", "Opa-Fußball" - die Sportredakteure unserer Zeitung schonten die deutsche Mannschaft nicht. "Darf man das, darf man wirklich so spielen, destruktiv und zweckbetont bis zur Erbärmlichkeit?", fragte die SZ. "Zwei Boxer im Ring und zwei Ringer auf der Matte wären vorzeitig in die Kabinen geschickt worden. Was sich die deutsche Mannschaft und ihr Kontrahent erlaubten, war der Gipfel des Zumutbaren, ging an die Grenze des Unsportlichen." Ein Redakteur merkte an: "Das gemütliche Ballzuschieben: einmal quer, einmal zurück, vorwärts nur ganz selten. Man tut sich nicht weh, man klopft sich auf die Schulter, wenn es mal etwas zu rau geworden ist. Nur küssen taten sie sich nicht . . ."

Was sonst noch geschah:

22. Juni 1940: Frankreich unterzeichnet den Waffenstillstand von Compiègne

20. Juni 1948: Die D-Mark wird in den drei Westzonen Zahlungsmittel.

23./24. Juni 1948: Die Berlin-Blockade beginnt.

19. Juni 1976: König Carl XVI. Gustaf heiratet die Deutsche Silvia Sommerlath.

20. Juni 1991: Der Bundestag entscheidet sich für Berlin als Regierungssitz.

saarbruecker-zeitung.de/

250-jahre

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