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„Ein guter Tag für Schottland“

„Ein guter Tag für Schottland“

Der knappe Ausgang des schottischen Referendums ist in Berlin mit Erleichterung aufgenommen worden. Der Vorsitzende des Europaausschusses im Bundestag, Gunther Krichbaum (CDU), richtet den Blick im Gespräch mit unserem Korrespondenten Werner Kolhoff nun auf das britische EU-Referendum 2017.

Sind Sie erleichtert?

Krichbaum: Es ist ein guter Tag für Schottland , aber auch für die ganze Europäische Union. In der Tat hätte ein anderer Ausgang enorme Probleme mit sich gebracht. Auch in anderen Ländern, wo es ebenfalls Abspaltungsbestrebungen gibt.

Haben die jetzt einen Dämpfer bekommen, etwa in Katalonien?

Krichbaum: Ich halte es mit dem Motto der schottischen Einheitsbefürworter: Better together, gemeinsam geht es uns besser. Wir brauchen mehr Zusammenarbeit in Europa. Für sich sind die kleinen Regionen kaum lebensfähig. Und eine Zersplitterung würde die EU insgesamt schwächen.

Sie sehen nicht die Gefahr, dass es in Bayern ähnliche Bestrebungen geben wird, wenn die Verhandlungen um den Länderfinanzausgleich scheitern sollten? Scherz.

Krichbaum: (Lacht.) Die scheitern nicht, und abgesehen davon hat Bayern wohl nicht diese Absicht.

Was kann die EU tun, um die Regionen zufriedener zu stellen?

Krichbaum: Sie tut bereits sehr viel. Es gibt zum Beispiel den Ausschuss der Regionen. Das zeigt, dass man um die Bedeutung der Regionen weiß. Aber auch die Regionen müssen wissen, dass wir nur als Gemeinschaft handlungsfähig und stark bleiben.

Dies war eine Abstimmung über den Verbleib Schottlands im Vereinigten Königreich. 2017 geht es voraussichtlich um den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU. Wie sind da die Aussichten?

Krichbaum: Premier Cameron hat ja gesehen und auch damit argumentiert, dass eine Abspaltung Schottlands erhebliche Nachteile gebracht hätte. Er hat nun die enorme Aufgabe vor sich, die Briten mehrheitlich davon zu überzeugen, dass ein Ausscheren aus der EU für sie ebenso enorme Nachteile bringen würde. Man denke nur daran, dass für Großbritannien dann der Zugang zum europäischen Binnenmarkt verloren wäre und alle Exporte zertifiziert werden müssten. Außerdem würde das Land an internationaler Bedeutung und Gewicht verlieren.

Viele in Europa wären wahrscheinlich froh, wenn man diesen schwierigen Partner los wäre.

Krichbaum: Das ist ein falscher Reflex. Wir sind in Europa umgekehrt auch auf Großbritannien angewiesen. Man denke nur an die Außen- und Sicherheitspolitik. Auch für uns gilt: Better together.

Das vollständige Interview lesen unter www.saarbruecker-zeitung/berliner-buero