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Drohnen sind eine zunehmende Gefahr für den Luftverkehr

Drohnen : Die Bedrohung am Himmel

Die Zahl der Störungen des Luftverkehrs durch Drohnen ist 2018 um 80 Prozent gestiegen. In Saarbrücken und am Flughafen Hahn gab es bislang jedoch keine Zwischenfälle.

Für die britischen Behörden waren erhebliche Störungen des Luftverkehrs mit Drohnen ein Weckruf. Gleich mehrere Tage lang war im Dezember der Londoner Flughafen Gatwick lahmgelegt. Zehntausende Passagiere mussten am Boden bleiben, ohne dass die Polizei die Täter fand. Mit Sperrzonen und einer Registrierungspflicht will die Regierung neue Drohnen-Zwischenfälle verhindern. London-Heathrow, Europas größter Flughafen, wird gleich mit militärischer Ausrüstung geschützt.

„Die Gefahr ist groß und wachsend“, sagt Jürgen Beyerer, der sich am Fraunhofer-Institut mit Sicherheits- und Verteidigungsforschung befasst. „Sie müssen eine Drohne gar nicht unbedingt mit Sprengstoff ausrüsten, um einen riesigen wirtschaftlichen Schaden zu erzeugen. Wir haben sehr verletzliche Infrastrukturen, zum Beispiel Flughäfen, die allein durch die Sichtung einer Drohne lahmgelegt werden können. Die muss man widerstandsfähiger machen.“ Und: „Ich glaube, die Flughäfen haben das bisher unterschätzt.“

In Deutschland haben Behinderungen des Luftverkehrs mit Drohnen im vergangenen Jahr um 80 Prozent zugenommen. Die Deutsche Flugsicherung meldet 158 Fälle, davon 125 im Großraum von Flughäfen. Insgesamt 88 Störungen hatte es im Jahr 2017 gegeben, dem bisherigen Rekordjahr.

Im Umkreis des Saarbrücker Flughafen hat es bislang keine Zwischenfälle mit Drohnen gegeben, wie der Airport sowie die Bundespolizei übereinstimmend mitteilen. Dennoch sei man auf solche Szenarien vorbereitet. Im Fall der Fälle wäre die Reaktion in Ensheim die gleiche wie in Gatwick, betont Flughafen-Sprecher Ludwin Vogel: „Wenn wir eine Drohne im Anflugbereich sichten, wird der Flughafen sofort gesperrt.“ Dabei würde man Rücksprache mit der Flugsicherung und der Bundespolizei halten.

Denn in Deutschland ist die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt: Die Flughäfen sind für die Sicherung des Geländes zuständig. Dies bezieht sich aber ausdrücklich auf den Boden. Für den Luftraum ist die Flugsicherung verantwortlich, aber nur für bekannte und ordnungsgemäße Flugbewegungen. Bei unerlaubten Drohenflügen kommt zudem die Polizei ins Spiel: Nur sie ist befugt, „unmittelbaren Zwang“ auszuüben. Insofern würde bei einem Drohnen-Alarm am Saarbrücker Flughafen die Bundespolizei ermitteln, von wo die Drohne gesteuert wird, um zu verhindern, dass von ihr weiterhin eine Gefahr ausgeht. Den aufsehenerregenden Vorfall in Gatwick sieht Jürgen Glaub, Sprecher der Bundespolizei in Bexbach, mit Sorge: „Bei solchen Fällen sind immer Nachahmer das Problem.“

Andererseits werden die Verantwortlichen durch einen Fall wie in Gatwick auch in Deutschland stärker sensibilisiert. Am Flughafen Hahn etwa sei man sich der Gefahren durch die Fluggeräte durchaus bewusst, versichert Christoph Goetzmann, Mitglied der Geschäftsführung. Ihm sei bislang allerdings kein Zwischenfall mit Drohnen am Hahn bekannt. Grundsätzlich gelte: „Wir sind derzeit so gut oder so schlecht vorbereitet wie jeder andere Flughafen.“ Um der Gefahr an allen Standorten in Deutschland Herr zu werden, liefen derzeit Tests. Dabei will Goetzmann nicht ins Detail gehen. Nur so viel: „Wir sind da aktiv.“

Fakt ist: Die ferngesteuerten Fluggeräte, die als Spielzeug oder Arbeitsgerät eingesetzt werden, werden immer preiswerter und leistungsfähiger. Experten in Militär und Behörden beobachten sehr genau, wie kleine Drohnen bereits als Waffe eingesetzt werden. Die Bundeswehr schützt sich bei Einsätzen im Ausland auch gegen solche Angriffe.

Als ein Vorreiter bei der Verteidigung gegen Drohnen gilt Israel. Unternehmen dort haben verschiedene Abwehrsysteme entwickelt, wie etwa den „Drone Dome“ des Rüstungsherstellers Rafael. Ein Unternehmenssprecher sagt: „Die Bedrohung durch Drohnen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Von einem Gimmick ist es zu einer Waffe geworden, die Terrororganisationen wie der Islamische Staat (IS) einsetzen.“ Aufgabe des „Drone Dome“ sei es, die Fluggeräte zu entdecken und auszuschalten. Komme eine Drohne einem Flughafen gefährlich nahe, könne man entweder ihre Kommunikationssysteme stören oder die Kontrolle übernehmen, um sie dann in sicherer Entfernung zu landen. Beide Methoden werden als „Soft Kill“ bezeichnet. Technisch ist auch ein „Hard Kill“ möglich – der Abschuss der Drohne mit einer Laserkanone. „Dies ist eine Option, wird aber in der Praxis noch nicht eingesetzt“, sagt der Sprecher.