Dr. a. D.

Das Düsseldorfer Verwaltungsgericht hat in der Causa „Schavan“ entschieden und ist dabei sehr deutlich geworden: Der Entzug des Doktor-Titels war rechtmäßig, Schavan habe getäuscht.

Die Hauptperson war gar nicht erschienen. Ex-Bundesministerin Annette Schavan (CDU) wird sich ihrer geringen Chancen im Kampf um ihren Doktor-Titel bewusst gewesen sein. So sehr sich ihre Rechtsbeistände im dunkel getäfelten Saal 240 des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts gestern auch mühten, spätestens als die Vorsitzende Richterin Simone Feuerstein deren Beweisanträge knapp aber deutlich als "unerheblich" vom Tisch fegte, war klar, auf was die Sache hinausläuft. Um 15.15 Uhr verkündete das Gericht dann "im Namen des Volkes" nicht weniger als eine herbe Schlappe für die Klägerin "Prof. Dr. h.c. mult. Annette Schavan", wie sie im Aushang des Gerichts genannt wird: "Die Klage wird abgewiesen."

Aber die 15. Kammer belässt es nicht dabei, der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität die Korrektheit des Aberkennungsverfahrens und die Einhaltung des Ermessensspielraums zu bescheinigen, als sie der Klägerin den 1980 erworbenen Doktor-Titel entzog: "Die Klägerin hat getäuscht", befindet Feuerstein unverblümt, davon habe sich das Gericht auch ohne externes Gutachten überzeugen können. Auf "60 Täuschungsbefunde" sei die Kammer gestoßen.

Damit habe Schavan bei ihrer Doktorarbeit mit dem Titel "Person und Gewissen" das Gebot wissenschaftlicher Redlichkeit verletzt, das auch schon 1980 bestanden habe. Die Behauptung einer anderen Zitierkultur in den 1980er Jahren sei unerheblich: "Alle Einwände gehen am Kern des Täuschungsvorwurfs vorbei." Die Klägerin habe zumindest "bedingt vorsätzlich gehandelt". Angesichts dessen habe für die Uni auch kein Anlass bestanden, "über mildere Mittel" als den Titelentzug nachzudenken, der die Unionspolitikerin letztlich als Bundesbildungsministerin zu Fall gebracht hatte.

Noch ist der Richterspruch nicht rechtskräftig. Aber eine Berufung ließ die Kammer nicht zu (Az.: 15 K 2271/13). Schavan bleibt als Rechtsmittel nur ein Antrag, doch zur Berufung zugelassen zu werden. Ob sie den stellt, werde sie prüfen, wenn das Urteil schriftlich vorliegt, kündigte Schavan postwendend an und wies den Täuschungsvorwurf erneut zurück.

Die Professoren Bruno Bleckmann und Stefan Rohrbacher waren als Vertreter der Uni erschienen. Der eine als Dekan der Fakultät, der andere als Chef des Promotionsausschusses, der die Arbeit unter die Lupe genommen hatte. Rohrbacher betonte, dass es nicht um die vielen Flüchtigkeitsfehler gehe. Solcherlei "Schlampigkeit" habe man eher entlastend bewertet. Nein, es seien die Passagen gewesen, die Schavan noch im Wortlaut leicht abgeändert habe, ohne den Autoren der Sekundärliteratur überhaupt zu erwähnen.

Inzwischen ist für die Merkel-Vertraute eine neue Aufgabe gefunden: Sie soll mit dem Segen der Bundesregierung deutsche Botschafterin am Vatikan werden - notfalls ohne Doktor-Titel. Allerdings ist die Personalie noch nicht offiziell beschlossen. "Wir stehen ganz am Anfang des Berufungsverfahrens", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.