Die Wulffs im Schaufenster

Was haben die meisten Beobachter eigentlich erwartet? Einen Rosenkrieg vor Gericht? Nein, die Wulffs sind nicht so naiv, nach der Veröffentlichung von Bettina Wulffs Buch den Medien noch einmal ein peinliches Spektakel der persönlichen Abrechnung zu bieten. Wenn es überhaupt noch etwas gibt, womit sie dies hätten tun können.



Inzwischen muss man sich sowieso fragen, ob es bei dem Prozess noch um juristische Aspekte geht oder doch nur darum, einen Politiker, der einst Präsident war, und dessen von ihm getrennt lebende Ehefrau ins Schaufenster zu stellen. Außer nichtswissenden Promi-Zeugen und einem gigantischen Medienandrang hat die Verhandlung bislang jedenfalls kaum etwas zu Tage gefördert, was den ohnehin dünnen Vorwurf der Vorteilsnahme gegen Wulff und seinen Freund ansatzweise belegen könnte.

Dass der Niedersachse ein gescheiterter Präsident ist, der vor allem über sich selbst stolperte, steht außer Frage. Er war ungeeignet für das Amt. Das ist die für ihn und viele andere bittere, menschliche wie politische Dimension der Geschichte. Die Gerichtsverhandlung belegt hingegen bislang nur, dass sie am Ende wohl genau das sein wird, was man schon am Anfang befürchten musste - eine Farce.