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Die Parole lautet „aussitzen“

Die Parole lautet „aussitzen“

Selten wurde ein Angriff so detailliert angekündigt wie der geplante Militärschlag einer westlichen Allianz gegen das syrische Regime. Angeblich geht es nicht um Assads Sturz. Doch die Rebellen erhoffen sich taktische Vorteile.

Die Syrer warten nicht passiv auf den Raketeneinschlag. Die Revolutionäre auf der einen Seite hoffen, dass ihre Kämpfer die Attacke nutzen können, um das von den Alliierten geschwächte Regime samt Präsident Baschar al-Assad zu stürzen. Das Regime schiebt Waffen hin und her und hofft, dass der Sturm schnell vorüberzieht. Wie ein Militärschlag die Konstellation in der Region beeinflussen wird, ist die spannende Frage.

Das Regime hat die Parole ausgegeben: "Das wird ein begrenzter Angriff sein, den sitzen wir aus." Doch ob viele Menschen in Damaskus den Ausführungen von Außenminister Walid al-Muallim Glauben schenken, der den drohenden Militärschlag der Supermacht USA mit dem Mörsergranatenbeschuss durch die Rebellen verglichen hat, ist fraglich. Zwar hat auch der irakische Präsident Saddam Hussein im Jahr 1998 eine militärische Strafaktion der USA unbeschadet überstanden. Doch dessen Geheimdienststaat funktionierte damals noch flächendeckend, und es gab auch keine Rebellenbrigaden, die 20 Kilometer von den Regierungsgebäuden entfernt lauerten.

"Das Ziel der Angriffe wird nicht der Sturz des Regimes sein, aber die Freie Syrische Armee (FSA) wird daraus taktischen und praktischen Nutzen ziehen können", sagte der Generalstabschef der FSA, Salim Idriss, dem rebellenfreundlichen Nachrichtensender Al-Arabija. Aus Oppositionskreisen verlautet zudem, Brigadegeneral Manaf Tlass sei ausgewählt worden, um zusammen mit anderen Deserteuren dafür zu sorgen, dass bei einem möglichen Zusammenbruch der Armee nach dem Militärschlag kein völliges Chaos in der Hauptstadt ausbricht. Sollte dieser Plan tatsächlich umgesetzt werden, dann könnte dies auch die Russen besänftigen, denen es weniger um Assad geht als darum, in Syrien einen Fuß in der Tür zu behalten.

Aus Sicht des syrischen Oppositionellen Fawas Sakri verfolgt Washington mit dem geplanten Angriff zwei Ziele: "Es soll eine Erziehungsmaßnahme für das Regime sein, weil es Waffen eingesetzt hat, die international geächtet sind. Und es soll verhindern, dass Raketen-Startrampen, Scud-Raketen und andere schwere Waffen in die Hände der Regimegegner gelangen - und zwar unabhängig davon, ob es Islamisten oder FSA-Brigaden sind, denn das wäre eine potenzielle Bedrohung für Israel." Sakri, der dem Syrischen Nationalrat angehört, glaubt aber nicht, dass die Angriffe den Rebellen einen strategischen Vorteil verschaffen werden.

Dass der Iran, der Assad bislang mit Waffen und Militärberatern unterstützt hat, nach einer Attacke von Nato-Staaten direkt in den Krieg eingreifen wird, gilt als sehr unwahrscheinlich. "Der Iran hat sich militärisch noch nie mit den Vereinigten Staaten oder deren Verbündeten angelegt, eingeschlossen Israel", stellt die libanesische Nachrichten-Website "Lebanon Now" fest.

Dass der Iran stattdessen die von ihm aufgerüstete libanesische Hisbollah-Miliz auffordern wird, Raketen auf Israel abzufeuern, wäre zwar denkbar, ist aber auch nicht unbedingt zu erwarten. Dem Libanon droht aber, wenn die Lage im Nachbarland weiter eskaliert, auf jeden Fall mehr Unfrieden und Terror. Denn der Bürgerkrieg im Nachbarland hat im Libanon jetzt schon eine Spirale von Gewalt in Gang gesetzt.