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Die meisten Asylbewerber zieht es nach Deutschland

Die meisten Asylbewerber zieht es nach Deutschland

In Deutschland haben zuletzt mehr Menschen Asyl gesucht als in jedem anderen Industrieland. Während viele dieser Anträge als unbegründet gelten, bleiben die Tore für wirklich Hilfebedürftige weitgehend dicht.

Erstmals seit den 90er Jahren sind in der Bundesrepublik wieder mehr Asylanträge gestellt worden als in jedem anderen westlichen Land. Ihre Zahl stieg im vergangenen Jahr um 70 Prozent auf 109 600, heißt es in einem Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, der heute offizielle vorgestellt wird. In den 44 Industrieländern nahm sie um 28 Prozent auf 612 700 zu. Deutschland sei damit weit vor den USA zum größten Aufnahmeland für Asylbewerber unter diesen Staaten geworden.

Allerdings hilft das den wirklich Schutzbedürftigen wenig. Während nämlich für den weltweiten Anstieg von Flüchtlingen vor allem der Krieg in Syrien verantwortlich gemacht wird, kommt der massive Zuwachs der Anträge in Deutschland vor allem von Bewerbern aus Russland und den Balkanstaaten. Allein die Zahl der Russen, die 2013 in der Bundesrepublik Asyl beantragten, habe sich gegenüber 2012 auf 14 900 vervierfacht, die der Serben und Kosovaren sei von 10 400 auf ebenfalls 14 900 gestiegen - ähnlich der Trend bei anderen Balkanländern. Die meisten dieser Anträge haben auch nach Einschätzung von Genfer Experten kaum Aussicht auf Erfolg, weil die Herkunftsländer nicht als unsicher gelten.

Beim UNHCR wurde gestern inoffiziell Verständnis für das deutsche Bestreben erkennbar, den Zuzug dieser Asylsuchenden zu begrenzen. Denn man erhofft von der Bundesrepublik, dass sie sich stärker für die Aufnahme von eindeutig schutzbedürftigen Menschen engagiert - allen voran für Opfer des Syrien-Krieges. Mehr als 2,5 Millionen Syrer sind bereits in benachbarte Länder geflohen. Bislang plant Deutschland, 10 000 Syrer zu beherbergen. Während des Bosnien-Krieges (1992 bis 1995) hatte das Land die vorübergehende Aufnahme von über 320 000 Kriegsflüchtlingen bewältigt.