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„Die Konferenz schadet Muslimen“

„Die Konferenz schadet Muslimen“

Die Islamkonferenz verschlechtert das Bild von Muslimen in Deutschland, warnt der Mainzer LKA-Mitarbeiter und Islam-Experte Dr. Marwan Abou-Taam. Warum, erklärt er im Gespräch mit SZ-Redakteur Pascal Becher.

Herr Abou-Taam, die Islamkonferenz ist vor zehn Jahren mit großen Erwartungen gestartet. Heute fordern einige, sie einzustellen, weil sie kaum Erfolge vorweisen kann. Wie sehen Sie das?

Abou-Taam: Ich hatte schon damals davor gewarnt, dass man so nie die Integrationsprobleme gerade junger Muslime lösen würde, sondern einzig Verbände stark machen wird.

Welche meinen Sie?

Abou-Taam: Die Ditib und den Zentralrat der Muslime . Vor 2006 waren sie doch irrelevant.

Und warum löst der religiöse Dialog keine Integrationsprobleme?

Abou-Taam: Der Staat führt keinen religiösen Dialog. Seine Aufgabe ist der Schutz der Grundrechte seiner Bürger. Die Probleme, die es in Deutschland gibt, haben nichts mit der Religion zu tun. Bis auf die öffentliche Wahrnehmung, bedingt durch die Terroranschläge. Es gibt ja kein Gesetz, dass Muslime diskriminiert. Ihre teils mangelhafte Integration kommt vielmehr durch schlechte Bildung, Arbeitslosigkeit, fehlendes Geld und falsche Stadtteilplanung. Hier sind aber einzig die Kommunen gefragt - und keine Bundespolitiker. Vielmehr schadet die Konferenz den Muslimen.

Wie meinen Sie das?

Abou-Taam: Am Anfang schaffte die Konferenz noch eine gewisse Wertschätzung der Muslime . Heute wirkt sie anrüchig. Niemand weiß genau, was dort passiert. Nur, dass man sich trifft, über Dinge diskutiert und sich neu verabredet. Die Ergebnisse sind kaum sichtbar.

Die Konferenz hat also ein Demokratieproblem?

Abou-Taam: Ja. Dort treffen sich Politiker, für die jeder Bürger stimmen konnte, mit Verbandsmitgliedern, die ich als Muslim nicht wählen konnte. Zudem werden viele Bereiche des alltäglichen Lebens durch die Konferenz islamisiert.

Nennen Sie ein Beispiel?

Abou-Taam: Es wird von der Professionalisierung islamischer Sozialarbeit gesprochen. Normale Sozialarbeiter reichten nicht. Es sollten Muslime sein. Aktuell wird über islamische Pflegedienste gesprochen. So schafft man Parallelstrukturen. Mir wird nicht klar, was daran islamisch sein soll! Es gibt ja auch keine jüdischen oder russisch-orthodoxen Streetworker. Das Signal der Konferenz lautet so vielmehr: Die Muslime sind gefährlich, mit denen muss man separat reden.