Die Kanzlerin lobt das Saarland

Welch ein Wechselbad der Gefühle für Angela Merkel: Noch am Donnerstagabend muss sie beim Großen Zapfenstreich für Christian Wulff mit starrer Miene die lautstarken Proteste gegen den von ihr ins Amt gehievten und gescheiterten Bundespräsidenten ertragen. Pfiffe und schrille Vuvuzela-Klänge. 24 Stunden später darf sie sich von ihren CDU-Parteifreunden im Saarland feiern lassen

Welch ein Wechselbad der Gefühle für Angela Merkel: Noch am Donnerstagabend muss sie beim Großen Zapfenstreich für Christian Wulff mit starrer Miene die lautstarken Proteste gegen den von ihr ins Amt gehievten und gescheiterten Bundespräsidenten ertragen. Pfiffe und schrille Vuvuzela-Klänge. 24 Stunden später darf sie sich von ihren CDU-Parteifreunden im Saarland feiern lassen. Jubel und stehende Ovationen der rund 1400 Menschen im St. Wendeler Sportzentrum sind Balsam für die Seele der Bundeskanzlerin. Mit einem entspannten Lächeln winkt sie in die Menge.Dass die Wahlkampf-Kundgebung im über 700 Kilometer entfernten Saarland für Merkel jedoch nicht nur willkommene Abwechslung vom harten Berliner Politik-Alltag ist, wird bei ihrer Rede deutlich. Mit der ihr eigenen Gelassenheit, aber dennoch bestimmt und leidenschaftlich, rührt sie die Werbetrommel für Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer - und stellt ans Ende den klaren Appell, bis zum Schluss darum zu kämpfen, die Menschen zur Wahlurne zu bewegen. "Wenn es sein muss, noch am 25. März beim Frühstück. Hier zählt wirklich jede Stimme." Merkel warnt davor, sich von den Koalitionsbeteuerungen der SPD in Sicherheit wiegen zu lassen. Denn genau das bezweckten die Sozialdemokraten. Wer aber die bewährte Politik an der Saar fortsetzen wolle, müsse die CDU und Annegret Kramp-Karrenbauer wählen.

Die Kanzlerin spart nicht mit Lob für das Saarland: Es habe eine tolle Entwicklung gemacht - allerdings erst "seit Oskar Lafontaine nicht mehr Ministerpräsident ist". "Aus Kohle und Stahl" habe sich Schritt für Schritt eine moderne Wirtschaft entwickelt. Mit harter Arbeit sei es gelungen, das Land nicht nur in die europäische, sondern in die Weltwirtschaft einzubinden und Arbeitsplätze zu schaffen.

Doch lange hält sich die Kanzlerin nicht mit der Vergangenheit auf. Sie spricht viel von der Zukunft - getreu dem Slogan der Landes-CDU, das "Saarland von morgen" gestalten zu wollen. "Das Saarland ist auf dem Weg, den Kindern des Landes eine Zukunft mit weniger Schulden zu ermöglichen", sagt Merkel. Natürlich nur mit der CDU. "Es ist ja schön, dass die Sozialdemokraten auch begriffen haben, dass die Schulden abgebaut werden müssen." Aber wem traue man denn eher zu, in den nächsten fünf Jahren dafür die richtigen Entscheidungen zu treffen? Doch nicht denen, "die es erst vor vier oder fünf Wochen erkannt haben", sagt die Kanzlerin. Sondern dem "Original" - sprich der CDU -, das die Schuldenbremse bereits auf den Weg gebracht habe.

Die Kanzlerin und Kramp-Karrenbauer haben ihre Auftritte gut abgesprochen. Die Ministerpräsidentin warnt davor, dass bei der SPD am Ende ein "rot-rotes Zipperlein" nicht ausgeschlossen sei, und fordert alle Gäste zur Basisarbeit am Wähler auf. "Am Ende des Tages gewinnt kein Plakat, kein Prospekt und keine TV-Diskussion, sondern derjenige, der im persönlichen Gespräch überzeugt hat", sagt sie - und bemüht angesichts der Umfragen, die die SPD bisher leicht im Vorteil sehen, ein Parallele aus dem Sport: "Jeder gute Radfahrer hält sich bis zum Schluss im Windschatten und zieht dann vorbei."

AKK bedankt sich brav für die Unterstützung der Kanzlerin, die trotz ihrer vielen Termine ins Saarland gekommen sei: "Wenn es drauf ankommt, kann man sich auf dich verlassen", ruft sie Merkel entgegen. Tatsächlich wirft die im kleinen Saarland ihr ganzes politisches Gewicht in die Waagschale und zeigt im Wahlkampf ungewöhnlich viel Präsenz. Nach dem Auftritt in St. Wendel geht es gleich weiter zu einer Veranstaltung des Wirtschaftsforums der CDU Saar in Völklingen (siehe Text rechts). Und am 23. März wird die Kanzlerin zum Abschluss des Wahlkampfes erneut an die Saar reisen. Ein starkes Abschneiden der CDU und vor allem ein Sieg im Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Sozialdemokraten könnten schließlich auch der CDU im Bund Schwung geben. "Hier im Saarland zählt wirklich jede Stimme."

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