Die große Koalition ist besiegelt

Der 9. Mai, kein Tag wie so viele andere in der Saar-Politik: Als Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer um genau 10.27 Uhr von der Abgeordnetenbank aus versichert, "Herr Präsident, ich nehme die Wahl an", ist sie perfekt: die große Koalition im Saarland, die zurzeit fünfte in der Republik

 Sie können die Schornsteinfeger als Glücksbringer gebrauchen: Annegret Kramp-Karrenbauer und Heiko Maas. Foto: bub

Sie können die Schornsteinfeger als Glücksbringer gebrauchen: Annegret Kramp-Karrenbauer und Heiko Maas. Foto: bub

Der 9. Mai, kein Tag wie so viele andere in der Saar-Politik: Als Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer um genau 10.27 Uhr von der Abgeordnetenbank aus versichert, "Herr Präsident, ich nehme die Wahl an", ist sie perfekt: die große Koalition im Saarland, die zurzeit fünfte in der Republik. 123 Tage nach dem Bruch der Jamaika-Allianz können Union und Sozialdemokraten jetzt die Regierungsarbeit aufnehmen.Eine solche Kulisse und mediale Aufmerksamkeit erlebt der Saar-Landtag nicht alle Tage: Zahlreiche Kamerateams haben sich im Plenarsaal postiert. Auf der Presse-Empore hat die schreibende Zunft Platz genommen, und die Besuchertribüne ist proppenvoll. Darunter zahlreiche Angehörige der Minister, die heute in Amt und Würden kommen. Auch viele Ehemalige aus dem Regierungsgeschäft wollen beim Start der neuen Polit-Konstellation dabei sein: Ein besonderer Gruß des Landtagspräsidenten gilt dem Ex-Regierungschef und Verfassungsrichter Peter Müller. Er ist der große Förderer von Kramp-Karrenbauer, der er im vergangenen Jahr die Zukunft der Partei und des Landes anvertraute.

Das Hohe Haus ist am Morgen auf große Koalition eingestellt. Parteiübergreifend manche Bussi-Bussi-Begrüßung. Während sich die meisten Abgeordneten in dunklem Tuch zeigen, hat sich die alte und neue Ministerpräsidentin offenbar dem Anlass gemäß gekleidet: schicker dunkelblauer, fast schwarzer Rock, helles Jackett, dazu rote, hinten offene Pumps und rote Tasche - ja, so viel große Koalition musste wohl selbst beim Outfit sein.

Die Sitzung ist erst zwei Minuten alt - CDU-Fraktions-Frontmann Klaus Meiser hat gerade Kramp-Karrenbauer als Ministerpräsidentin vorgeschlagen -, da greifen die Landtags-Frischlinge der Piratenpartei ins Geschehen ein. Geheime Abstimmung beantragt Michael Neyses. Verdutzte Gesichter bei den politisch Andersgläubigen, Gegrummel in den Abgeordneten-Reihen: Haben sich nicht die Piraten größtmögliche Transparenz aufs politische Panier geschrieben? Fraktionschef Michael Hilberer spricht später von einem Transparenzversprechen, das wohl falsch verstanden worden sei.

Doch im Gegensatz zum 10. August 2011, als Kramp-Karrenbauer nach einer Zitterpartie erst im zweiten Wahlgang punkten konnte, läuft die Wahl diesmal reibungslos. Entspannte Gesichter bei Schwarz-Rot. Landtagspräsident Hans Ley verkündet das Ergebnis: 37 von 51 Abgeordneten sprechen sich für die Unions-Kandidatin aus, zwölf stimmen mit Nein, zwei enthalten sich der Stimme. Die Piraten haben ihren vier Parlamentariern freigestellt, wie sie votieren. SPD und CDU verfügen zusammen über 37 Mandate. "Die Koalition hat gestanden", bilanzieren Kramp-Karrenbauer und Maas.

Lebhafter Beifall gibt es für die 49-jährige CDU-Frau, die jetzt erneut an der Spitze einer CDU-geführten Landesregierung steht. Wenige Minuten später legt sie den Eid mit Gottesbezug auf die Verfassung ab und schwört mit fester Stimme "meine Kraft dem Wohle des Volkes zu widmen". Am Morgen noch hatte Kramp-Karrenbauer vor Journalisten gesagt, sie habe "Herzklopfen" vor dem heutigen Tag gehabt. Ja, eine schwere Geburt sei es gewesen, räumt sie nach der Vereidigung ein. "Insofern wird auch dies ein schönes Kind." Die Regierungschefin hatte nach der verzwickten Jamaika-Wahl festgestellt: "Die schwersten Geburten bringen die schönsten Kinder." Und Koalitionspartner Heiko Maas meint zur politischen Befindlichkeit: "Ich finde, es läuft alles gut."

Die Wahl und Vereidigung der Ministerriege verläuft ebenfalls in großkoalitionärer Harmonie. Gleiches Wahlergebnis, gleiches Procedere. Heiko Maas (Vize-Regierungschef und Wirtschaftsminister), Andreas Storm (Soziales), Anke Rehlinger (Umwelt und Justiz), Monika Bachmann (Inneres), Stephan Toscani (Finanzen) und Ulrich Commerçon (Bildung und Kultur) werden von Landtagspräsident Hans Ley vereidigt. Auch sie nehmen den Gottesbezug in die Eidesformel auf.

Beim anschließenden Landtags-Empfang macht sich zwar keine überschwängliche Freude breit, aber eine gute Atmosphäre ist zwischen CDU und SPD zu verspüren. Sie wissen um den Problem-Berg, den sie abtragen müssen. Da tun die Schornsteinfeger gut, die in der Lobby den beiden Spitzenleuten eine glückliche Hand wünschen.

Landtagspräsident Hans Ley vereidigt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer auf die Saar-Verfassung. Foto: dpa/Dietze

Landtagspräsident Hans Ley vereidigt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer auf die Saar-Verfassung. Foto: dpa/Dietze

 Sie können die Schornsteinfeger als Glücksbringer gebrauchen: Annegret Kramp-Karrenbauer und Heiko Maas. Foto: bub

Sie können die Schornsteinfeger als Glücksbringer gebrauchen: Annegret Kramp-Karrenbauer und Heiko Maas. Foto: bub

Landtagspräsident Hans Ley vereidigt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer auf die Saar-Verfassung. Foto: dpa/Dietze

Landtagspräsident Hans Ley vereidigt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer auf die Saar-Verfassung. Foto: dpa/Dietze

In die Arbeit stürzt sich Deutschlands kleinste Regierung gleich am Nachmittag mit einer Kabinettssitzung. Zuvor ist beim Termin fürs traditionelle "Familienfoto" manche Gesichtsfarbe aufgefrischt worden. Einige der neuen Ressortchefs stellen sich danach in ihren Ministerien vor. Die gesellige Koalitionsrunde am Abend bestätigt dann auch: Es war kein Tag wie so viele andere.

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