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Die Geduld mit Griechenland schwindet

Die Geduld mit Griechenland schwindet

Berlin. Diese Nachrichten sorgten gestern im Berliner Regierungsviertel für Aufregung: In einem Zeitungsbeitrag hatte Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) seinen Gedanken über eine "geordnete Insolvenz Griechenlands" freien Lauf gelassen. Die CSU schlug in die gleiche Kerbe

Berlin. Diese Nachrichten sorgten gestern im Berliner Regierungsviertel für Aufregung: In einem Zeitungsbeitrag hatte Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) seinen Gedanken über eine "geordnete Insolvenz Griechenlands" freien Lauf gelassen. Die CSU schlug in die gleiche Kerbe. Und auch im CDU-geführten Bundesfinanzministerium ist man intern dabei, "weiträumig" über eine griechische Staatspleite nachzudenken, wie Regierungssprecher Steffen Seibert einräumte. "Hypothetische Überlegungen" und "aktive Vorbereitungshandlungen" seien aber zwei verschiedene Paar Schuhe, hieß es weiter. Im Klartext: Die Regierung wartet ab, was die so genannte Troika aus Vertretern von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds in den nächsten Tagen bei der Kontrolle des griechischen Sparprogramms herausfindet.Bleiben die Ergebnisse hinter den Auflagen zurück, gibt es kein neues Geld aus dem Rettungspaket. Und genau danach sieht es derzeit aus. Während das Bundesfinanzministerium einen Zahlungsausfall Athens offenbar für beherrschbar hält, warnen andere vor unkalkulierbaren Folgen. "Wenn Griechenland keine Hilfen mehr bekommt, dann gibt es eine unkontrollierte Insolvenz mit dem Ergebnis, dass das griechische Bankensystem zusammenbricht und dem Risiko einer enormer Kettenreaktion, die womöglich noch verheerender als bei der Lehman-Pleite 2008 ist", sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger (Foto: dpa) der SZ. Der Einwand, dass andere Problemländer wie Irland oder Portugal Fortschritte bei der Konsolidierung erzielen und dadurch die Ansteckungsgefahr sinkt, ist für Bofinger kein Argument. Die Situation sei "hochexplosiv". Selbst wenn das Risiko nur bei fünf oder zehn Prozent läge, dass weitere Staaten mit in den Abgrund gerissen würden, dürfe man das Risiko nicht eingehen, sagte Bofinger.

Ohne neue Finanzspritzen sei Athen praktisch gezwungen, den Euro-Raum zu verlassen, so Bofinger weiter. "Ansonsten müsste die EZB Athen praktisch Geld ohne jede Sicherheiten geben, was sie nicht tun wird. In diesem Fall müsste Griechenland wieder eine eigene Währung einführen, um die heimischen Banken zu refinanzieren", erläuterte Bofinger. Seine Empfehlung: "Griechenland braucht mehr Zeit zur Konsolidierung."

Auch der grüne Finanzexperte Gerhard Schick plädiert dafür, Griechenland mehr Zeit zu geben und die Auflagen der Realität anzupassen. Mit der Ankündigung einer neuen Immobiliensteuer versuche das Land gerade, die Vorgaben der Troika zu erfüllen. Das müsse berücksichtigt werden, zumal die Folgen einer unkontrollierten Griechenland-Pleite unabsehbar seien, sagte Schick unserer Zeitung. Derweil forderte die SPD von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Vizekanzler Philipp Rösler zurückzupfeifen.