„Die FDP ist nicht tot“

Trotz des Scheiterns der Liberalen bei der Landtagswahl in Sachsen glaubt Wolfgang Kubicki an eine Wende für seine Partei. Die AfD gehöre lediglich zu den vielen Erbschleichern, sagte der stellvertretende FDP-Vorsitzende im Gespräch mit SZ-Korrespondent Hagen Strauß.

Herr Kubicki, was macht die FDP falsch?

Kubicki: Aus meiner Sicht nichts. Wir leiden nach wie vor unter dem Nachhalleffekt nicht erfüllter Versprechungen aus unserer Regierungszeit 2009 bis 2013. Wir haben vier Jahre den Abstieg der FDP zur Kenntnis nehmen müssen. Man kann nicht erwarten, dass innerhalb weniger Monate der Aufstieg gelingt.

Aber die Bundestagswahl ist jetzt ein Jahr her. Deshalb noch mal: Warum wird die FDP ihr mieses Image nicht los?

Kubicki: Wir haben weltweite Krisen, die die Aufmerksamkeit von den Problemen im Land ziehen. Wir haben eine große Koalition, die das erste Jahr damit zugebracht hat, die Menschen zu beglücken. Und die erst jetzt begreift, dass Wohlstand auch erarbeitet werden muss. All das sind Rahmenbedingungen, die wir kaum beeinflussen können. Ich bin mir sicher, dass uns die Wende bei der Hamburg-Wahl am 15. Februar nächsten Jahres gelingen wird.

War es richtig, dass sich die sächsische FDP so stark von der Bundespartei abgegrenzt hat?

Kubicki: Ich habe Holger Zastrow gesagt, dass es wenig Sinn macht, immer daran zu erinnern, wie schlecht die FDP gewesen ist. Die Menschen interessiert nicht, wie wir uns innerparteilich fühlen. Aber ich will die Wahlkampfführung der sächsischen Liberalen nicht kritisieren. Unsere Parteifreunde haben leidenschaftlich gekämpft. Aber wir haben ein Markenproblem. Unser Image, wir seien egomanisch, egozentrisch und kaltherzig, ist noch nicht korrigiert. Das zu ändern, daran arbeiten wir gegenwärtig.

Wie wäre es denn mit einer Umbenennung ihrer Partei?

Kubicki: Ich bin 44 Jahre in der FDP , ich werde alles dafür tun, dass der Name erhalten bleibt. Die Marke ist zwar beschädigt, sie hat aber immer noch einen guten Kern. Ein einfacher Namenswechsel würde uns nicht weiterführen.

Tritt die AfD jetzt das Erbe der FDP an?

Kubicki: Es gibt mehrere Parteien, die als Erbschleicher durch die Gegend laufen. Die AfD hat mit den Positionen der FDP extrem wenig gemein. Die FDP ist nicht tot, wir haben deshalb auch nichts zu vererben. Die AfD schwimmt auf einer populistischen Welle. Sie wird aber wie die Piraten irgendwann in der Versenkung verschwinden. Da bin ich ganz sicher.

Wie wichtig werden jetzt die Wahlen in Brandenburg und Thüringen? Da droht der FDP auch der Rauswurf aus den Landtagen.

Kubicki: Jede Wahl ist für die FDP wichtig. Je besser wir abschneiden, desto besser ist es für das Innenleben unserer Partei. Und umso mehr Unterstützer können wir mobilisieren.