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Die CDU lässt Pfannkuchen fliegen

Die CDU lässt Pfannkuchen fliegen

Es wird viel gelacht auf den Wahlplakaten der CDU. Und allen geht es prächtig. Die Union hat jetzt die Motive präsentiert, mit denen sie die Bürger in den kommenden Wochen überzeugen will. Neues sucht man vergebens.

Ist die lachende Oma auf dem Plakat eigentlich eine echte Oma? Was haben zwei heitere Mopedfahrer mit einem stabilen Euro zu tun? Und wieso trägt immer einer auf den Plakaten der CDU blaue Kleidung? Generalsekretär Hermann Gröhe musste sich gestern ein paar stichelnde Fragen gefallen lassen, als er im Konrad-Adenauer-Haus die erste von insgesamt drei Plakatserien seiner Partei zur Bundestagswahl vorstellte. Die CDU, meinte Gröhe, starte jetzt für alle sichtbar in die heiße Phase des Wahlkampfes. Nur: Im Gegensatz zur SPD wagt die Union dabei nichts Neues.

Deutschland ist fröhlich. Es wird gelacht und gegrinst. Die Oma mit der Enkelin, der Papa mit der Tochter vor einem fliegenden Pfannkuchen, der Chef mit der Auszubildenden. Allen geht es gut, alle verstehen sich prächtig. In der CDU-Zentrale hatte man gestern den Eindruck, die Kampagnen-Motive schon zigmal in Wahlkämpfen gesehen zu haben. Überraschungseffekt? Gleich Null. "Wunderbare Farben" habe man gewählt, schwärmte Gröhe. So viel zum erwähnten Blau. Die gezeigten Personen würden alle in Deutschland leben und hätten "professionell" zur Verfügung gestanden. Kurzum: Oma und Enkelin sind nicht echt. Aber das hat auch niemand erwartet.

Plakate seien dazu da, so Gröhe weiter, den eigenen Wählern zu signalisieren: "Alle Mann an Deck, die Wahl rückt näher." Man beschränke sich dabei auf die Kernkompetenzen der Union: Solide Finanzen, mehr für Familien, starke Wirtschaft. Wer darüber hinaus etwas erfahren wolle, könne dann ins Regierungsprogramm schauen. Das Plakat als Köder. Ob es so einfach funktioniert? Wohl nicht.

8700 der großen Plakate sollen bundesweit aufgestellt werden, in der ersten Phase wird es nur ein kleines mit Angela Merkel im Gespräch geben. Dafür verteilt die CDU jedoch eine Hochglanzbroschüre (800 000 Stück) mit schönen Fotos der Kanzlerin. Merkel im Strandkorb, Merkel beim Mensch-Ärger-Dich-Nicht, die Kanzlerin in der Natur oder an ihrem Schreibtisch. Merkel, Merkel, Merkel. Fast immer lächelnd. "Ich koche sehr gerne", erfährt der Wähler im Begleittext. "Mein Mann beschwert sich selten. Nur auf dem Kuchen sind ihm immer zu wenig Streusel." Die Kanzlerin privat, mit überschaubaren Problemen. Mit ihr kann man sich wohlfühlen. Das wird die Hauptbotschaft der CDU in den nächsten sieben Wochen bis zur Wahl werden.

Die SPD sieht das bekanntermaßen anders. Auf die frotzelnde Frage, welches Unionsplakat nicht auch der Konkurrent kleben könne, antwortete Gröhe: "Weiß ich nicht." So (un)wichtig ist der Union also die Abgrenzung bei ihren Werbetafeln. Eigentlich hätte er Angela Merkel gesagt, ergänzte Gröhe rasch. Aber auch da sei ja auf die SPD kein Verlass mehr. Das stimmt: Die Sozialdemokraten plakatierten derzeit die Kanzlerin. Dazu Anti-Merkel-Slogans oder ketzerische Fragen wie: "Beste Regierung seit der Einheit?" Das sei gewagt, wenn nicht sogar ein Fehler, warnen die einen Politik-Experten. Denn Negativ-Kampagnen würden beim Wähler nicht ankommen. Andere Fachleute wiederum finden das zumindest innovativ und humorvoll, also neu. Der Betrachter werde die Botschaft schon verstehen.

Allerdings ist Peer Steinbrück bisher auf keinem der großen Plakate zu sehen. Das hat der SPD den Vorwurf eingebracht, ihren Kanzlerkandidaten verstecken zu wollen. Nimmt man es genau, hält es die Union nicht anders: Wie die SPD hängt auch sie ihre Spitzenkraft bislang nur im Kleinformat an die Laternen. Eines sei aber klar, spottete Gröhe: "Angela Merkel werden wir am Ende nicht allein der SPD überlassen." Damit hat auch keiner gerechnet.