1. Nachrichten
  2. Politik
  3. Topthemen

Die Angst ist zurück in New York

Die Angst ist zurück in New York

Vor wenigen Tagen gedachten die New Yorker der Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001. Nun schreckt eine starke Detonation die Menschen in der Millionenmetropole auf. Wer steckt dahinter?

Mit einem Schlag ist in New York die Angst vor dem Terror wieder da. Erst vor einer Woche hatte die Ostküstenmetropole in aller Stille der fast 3000 Todesopfer der islamistischen Anschläge vom 11. September 2001 gedacht. Wenige Tage später explodiert nun mitten im abendlichen Ausgehtrubel in Manhattan eine Bombe - ein zweiter Sprengsatz in der Nähe ging wohl nur durch Zufall nicht hoch. Zwar ging der Anschlag mit 29 Verletzten relativ glimpflich aus, doch die Verunsicherung ist groß.

Die Explosion ereignete sich am Samstagabend im beliebten Stadtviertel Chelsea, einer Gegend mit zahlreichen Bars, Restaurants, Theatern und schicken Wohnungen. Das Handyvideo eines Augenzeugen zeigt eine Frau mit einem Metallsplitter im Auge, ihr Gesicht und ihre Kleidung sind von Blut überströmt. "Ich habe die Explosion gehört und bin hingefallen", sagt das verwirrt wirkende Opfer. Neben ihr stehen zwei junge Mädchen, einer stecken je ein Metallsplitter in Schulter und Stirn.

Doch auch drei Straßen entfernt wohnende Anwohner berichten, dass selbst sie einen lauten Knall gehört hätten. Dann habe es kurz bleierne Stille gegeben, bevor die Sirenen von Polizei und Rettungskräften die Stadt durchdrangen. Die Polizei riegelte die Gegend weiträumig ab, Polizeihubschrauber kreisten in der Luft. New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sagte zunächst, Hinweise auf einen "terroristischen" Hintergrund lägen nicht vor. Doch gestern bestätigte New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo, dass es sich sehr wohl um einen Bombenanschlag handele. Zwar sei zunächst keine Verbindung zur Dschihadistengruppe Islamischer Staat oder allgemein dem internationalen Terrorismus erkennbar, doch seien die Ermittlungen noch in einem "sehr frühen" Stadium.

Die Bombe war in einem Müllcontainer auf der 23. Straße zwischen der Sechsten und Siebten Avenue versteckt. Nur vier Straßenblocks nördlich entdeckt die Polizei einen weiteren Sprengsatz, der nicht hochging - aber an die Anschläge beim Boston-Marathon 2013 mit drei Toten und mehr als 260 Verletzten erinnert: ein Schnellkochtopf, aus dem Kabel ragen, die wohl mit einem Handy verbunden sind.

"Was auch immer die Ursache war, die New Yorker werden sich nicht einschüchtern lassen", sagt de Blasio in der Nacht. Zusammenhänge zu einem weiteren Sprengsatz, der Samstag früh im benachbarten New Jersey detoniert war, gebe es wohl nicht. Drei miteinander verbundene Rohrbomben waren dort in einer Mülltonne an einer Lauf-Strecke deponiert, wo ein Rennen der Marineinfanterie mit geschätzt mehr als 5000 Teilnehmern stattfinden sollte. Da der Start des Rennens sich verzögert hatte und nur ein Sprengsatz explodierte, ist der Ostküste eine schwerere Katastrophe womöglich mit Glück erspart geblieben.

Die Tatsache, dass mitten in New York ein Anschlag verübt werden konnte, dürfte den Wahlkampf weiter verschärfen. Donald Trump sprach bereits von einer "Bombe", als die Polizei noch von einer Explosion sprach. "Wir sollten besser hart antworten, Leute", forderte er. Seine demokratische Rivalin Hillary Clinton warf ihm daraufhin Alarmismus vor. "Es ist immer weiser, auf Informationen zu warten, bevor man Schlussfolgerungen zieht."

Zum Thema:

Am rande Die Terrormiliz Islamischer Staat hat sich eine Messerattacke in einem Einkaufszentrum in St. Cloud im US-Bundesstaat Minnesota zugeschrieben. Am Samstagabend hatte ein Mann acht Menschen verletzt, ehe er von einem Polizisten erschossen wurde. Der Täter sei "ein Soldat" des IS gewesen, teilte das Terror-Sprachrohr Amak mit. dpa