„Die Abstimmung blieb einer größeren Öffentlichkeit verborgen“

„Die Abstimmung blieb einer größeren Öffentlichkeit verborgen“

Die Grünen haben ihre Spitzenkandidaten für die Europawahl übers Internet gesucht. Doch kaum jemand hat mitgemacht. Warum das nicht anders zu erwarten war, sagt der Trierer Parteienforscher Uwe Jun SZ-Redakteur Pascal Becher.

Herr Professor Jun, Online-Abstimmungen und innerparteiliche Demokratie, ist das an sich eine gute Kombination?

Jun: Auf jeden Fall ist es günstig, weil Online-Abstimmungen nicht viel kosten und kaum organisatorischen Aufwand mit sich bringen. Dieses Verfahren ist aber auch kritisch zu sehen: Man spricht mit Internet-Abstimmungen in erster Linie diejenigen an, die über eine hohe Netzaffinität verfügen, wenn der Prozess nicht massenmedial begleitet wird.

Also junge Menschen. . .

Jun: Ja, vornehmlich, aber keineswegs ausschließlich.

Die Grünen haben ja ihre Kandidaten fürs Europaparlament über das Netz gesucht. Jedoch haben sich nur etwa 23 000 Menschen beteiligt. Und das europaweit. Heißt das dann nicht auch: Junge Leute haben kein Interesse an Politik? Egal ob übers Internet oder im realen Leben.

Jun: Nein, ganz und gar nicht. Das Problem der Grünen bei dieser Abstimmung war, dass sie einer größeren Öffentlichkeit verborgen blieb.

Was heißt das?

Jun: Die Grünen haben diese Abstimmung wenig öffentlichkeitswirksam gestaltet. Dazu müssen sie traditionelle Medien mit einbeziehen - also Fernsehen, Radio und Zeitungen. Wenn die Menschen nicht wissen, dass sie abstimmen können, werden sie es entsprechend nicht machen. Das hat die SPD mit ihrer Mitgliederbefragung zum Koalitionsvertrag deutlich besser hingekriegt; aber auch die Grünen selbst bei ihrer Wahl der Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl im letzten Jahr.

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