"Der Verbraucher sollte keine Sprossen essen"

Frau Ministerin, zu spät, zu schleppend, zu unkoordiniert - so kritisiert die Opposition das Ehec-Krisenmanagement. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen? Muss der Bund nicht mehr entscheiden und koordinieren können?Aigner: Ich denke, die Menschen haben kein Verständnis für Oppositionsgeplänkel in solch einer ernsten Situation. Das ist jetzt nicht die Zeit für Föderalismusdebatten

Frau Ministerin, zu spät, zu schleppend, zu unkoordiniert - so kritisiert die Opposition das Ehec-Krisenmanagement. Was sagen Sie zu diesen Vorwürfen? Muss der Bund nicht mehr entscheiden und koordinieren können?Aigner: Ich denke, die Menschen haben kein Verständnis für Oppositionsgeplänkel in solch einer ernsten Situation. Das ist jetzt nicht die Zeit für Föderalismusdebatten. Das Krisenmanagement funktioniert - die Behörden konzentrieren alle ihre Kräfte auf die Bekämpfung dieser Epidemie. Bund und Länder arbeiten Hand in Hand und rund um die Uhr. Die Untersuchungen laufen auf allen Ebenen auf Hochtouren, um die Quelle der Infektionen zu finden und die weitere Ausbreitung zu stoppen. Übrigens ist es bemerkenswert, dass ausgerechnet die Grünen nun Strukturen in Frage stellen, die sie seinerzeit bei der Gründung des Verbraucherministeriums selbst geschaffen haben.

Wenn Sprossen nun doch nicht die Quelle des Ehec-Erregers sind, was folgt daraus?

Aigner: Auch wenn die ersten Proben negativ sind: Die Hinweise auf den Betrieb in Niedersachsen sind eine wichtige Spur, die weiter mit Nachdruck verfolgt werden muss, ohne aber zum jetzigen Zeitpunkt andere Ermittlungsansätze aus dem Auge zu verlieren. Im Fall Uelzen heißt das konkret: Die Kundenlisten des Betriebs müssen sorgfältig ausgewertet werden, die Lieferketten müssen lückenlos weiterverfolgt werden. Für die Verbraucher ist wichtig, dass der Betrieb von den niedersächsischen Behörden gesperrt wurde und alle Produkte des Betriebs unverzüglich vom Markt genommen werden. Derzeit ist noch nicht der Nachweis erbracht, dass dieser Betrieb oder Sprossen die einzige Quelle der Ehec-Infektionen sind. Deshalb bin ich mir mit den zuständigen Ländern einig, dass bundesweit schwerpunktmäßig Produzenten und Importeure von Sprossen und deren Produkte zu überprüfen sind, um sicherzustellen, dass nur unbelastete Ware auf den Markt gelangt.

Was raten Sie jetzt den Verbrauchern?

Aigner: Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes war es auch in diesem Fall richtig, dass die zuständigen Landesbehörden von Niedersachsen ihre Erkenntnisse umgehend öffentlich gemacht und die Bürger informiert haben. Der Verbraucherschutz muss in solch einer Situation immer absoluten Vorrang haben. Bis weitere Erkenntnisse vorliegen, sollten Verbraucher in Deutschland vorsorglich keine Sprossen essen. Unabhängig von den neuen Hinweisen aus Niedersachsen gelten auch die Verzehrempfehlungen des Robert-Koch-Instituts und des Bundesinstituts für Risikobewertung für rohe Gurken, Tomaten und Blattsalat vorerst weiter. Dieser Warnhinweis, der aufgrund von Befragungen betroffener Patienten erstellt wurde, war erst letzten Freitag von den beiden Fachbehörden ausdrücklich erneuert worden.

Wird die Regierung den betroffenen Landwirten helfen?

Aigner: Ich reise heute zu einem Sondertreffen der EU-Agrarminister nach Luxemburg. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Lebensmittelsicherheit, aber es geht auch um eine erste gemeinsame Bestandsaufnahme, was die Marktlage in den einzelnen Mitgliedstaaten betrifft. Es ist bitter, dass von den dramatischen Umsatzeinbrüchen tausende Landwirte und Betriebe betroffen sind, die hochwertige Produkte herstellen und verantwortungsvoll gewirtschaftet haben. Diese Betriebe brauchen jetzt unsere Unterstützung. Ich bin dankbar, dass die EU-Kommission zugesagt hat, mögliche Hilfen zu prüfen.

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