Der strenge Herr der Handys

Samsung-Patriarch Lee Kun-Hee hat als Firmenchef mit Wutanfällen auf kleinste Qualitätsmängel reagiert. Doch gerade sein ruppiger Führungsstil könnte zu dem aktuellen Desaster beigetragen haben.

Der Patriarch ist seit einem Herzanfall im Mai 2014 aus den Augen der Öffentlichkeit verschwunden. Doch er zieht vom Krankenbett aus weiterhin die Strippen im Samsung-Konzern, wie in Seoul zu hören ist. Lee Kun-Hee, 74 Jahre alt, zählt mit einem Privatvermögen von knappen 15 Milliarden Euro zu den reichsten Männern der Welt. In Südkorea gilt eine strenge Hierarchie: Der Mann steht über der Frau, und sie hat zu gehorchen. Dieses Denken gilt in der Firma genauso wie in der Familie - und ist auch die Grundlage des Weltbilds von Lee Kun-Hee. Sein einziger Sohn Lee Jae-Yong ist kürzlich Vorstandsmitglied von Samsung Electronics geworden. Es steht außer Frage, dass er in der Fabrikantendynastie der Kronprinz ist.

Die Organisation als Familienunternehmen war bisher für Samsung von Vorteil. Lee Kun-Hee hat 1987 seinerseits von seinem Vater die Macht im Konzern übernommen. Seitdem ist es ihm gelungen, die Konkurrenz weit hinter sich zu lassen. Die Handysparte von Samsung hat erst Nokia abgehängt, dann Apple . Der Mischkonzern Samsung erbringt ein Fünftel der südkoreanischen Wirtschaftsleistung. Er bietet außer Handys auch Mikrochips , Schiffe, Bankdienste und Reisen an.

Lee hat das 1948 gegründete Groß-Konzernkonglomerat Samsung an die Weltspitze gebracht. Unter ihm ist der Markenname weltweit bekannt geworden. Er hat konsequent an neuen Techniken wie bessere Displays forschen lassen und ein jüngeres Design forciert. Sein Management-Stil ist dabei autoritär: Lee toleriert kein Versagen, selbst kleinere Fehler hat er mit Rauswurf verantwortlicher Manager quittiert - vor allem da, wo es um Sicherheit und Qualität geht. Es wäre spannend zu wissen, wie der herzkranke alte Mann auf die Riesen-Katastrophe der massenhaft brennenden Smartphones reagiert. Doch der innerste Zirkel der Familie, die Samsung kontrolliert, bleibt auch in dieser Krise verschlossen.

Um einen solchen Führungsstil zu ermöglichen, hat Lee ein Netz von 80 Tochtergesellschaften aufgespannt, dessen Querverbindungen selbst professionelle Analysten nicht mehr durchschauen. Das war auch das Ziel der Übung: die wahren Machtverhältnisse zu verschleiern. In Korea galt das lange Zeit als gute Sache. "Samsung hat es an die Weltspitze geschafft, weil Chairman Lee jeden äußeren Einfluss vom Management abwehren konnte", behauptet Kim Houng-yu von der Kyung Hee School Of Management in Seoul noch vor zwei Jahren. "Falls der Konzern dagegen zerschlagen werden sollte, würde er in ernste Gefahr geraten ."

Die Intransparenz der Konzernführung und die hierarchischen Strukturen könnten auch zu dem Batterie-Desaster beigetragen haben. Gerade die Kultur der Angst und der vertikalen Befehlsketten mache Fehler wahrscheinlicher, sagt David Sehyeon Baek vom Gyeonggi Center for Creative Economy & Innovation, einem Zentrum für die Förderung von Jungunternehmen . Selbst wenn ein Angestellter auf niedriger Ebene ein Problem sehe, halte er bei Samsung die Klappe, sagt Baek. Verantwortlich sind schließlich "die da oben". "Ein Mangel an Vielfalt und Kreativität" sowie extremes Gruppendenken macht er daher unter den 470 000 Samsung-Mitarbeitern aus.

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Hintergrund Mit dem Galaxy Note 7 wollte Samsung neue Maßstäbe setzen. In ersten Rezensionen der Fachmedien wurde es zum Teil als bisher bestes Android-Smartphone gefeiert. Das rund 850 Euro teure Note 7 zielte auf das lukrative Premium-Segment, in dem Apples iPhone besonders stark ist. Mit einer Bildschirm-Diagonale von 5,7 Zoll (rund 14,5 Zentimeter) fiel das Note 7 in die "Phablet"-Kategorie, wie die Mischung aus Smartphone und Tablet genannt wird. Mit einem besonders schnellen Prozessor, leuchtenden Farben auf dem Display und einem Entsperren des Telefons per Augen-Scan sollte das Note 7 Maßstäbe setzen. All die Technik braucht aber viel Strom. Und so presste Samsung in das Gerät eine Batterie mit 3500 Milliamperstunden (mAh), die sich besonders schnell aufladen sollte. Und genau diese Akkus haben die Probleme gemacht. dpa

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