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AKW Cattenom: Der gefährliche Nachbar in Cattenom

AKW Cattenom : Der gefährliche Nachbar in Cattenom

() Ein Erdbeben wäre wohl der Untergang. Die Leitungen könnten dem Druck nicht standhalten. Gefährliche Mängel. Störfall der Stufe zwei von sieben. Erst kürzlich trat er in Cattenom ein. Nichts Ungewöhnliches im benachbarten Lothringen.

Gerade einmal zwölf Kilometer trennen den Atommeiler von der saarländischen Grenze. Bisher gab die Atomaufsichtsbehörde ASN dem Betreiber EdF immer wieder grünes Licht. Das Atomkraftwerk (AKW) erfülle die Sicherheitsstandards. Saar-Umweltstaatsekretär Roland Krämer (SPD) sieht das anders: Er bezeichnete das Sicherheitskonzept von Cattenom als „skandalös“. 43 Vorfälle im Jahr 2016, 37 im Jahr zuvor. Immerhin handelte es sich dabei lediglich um Abweichungen vom Normalbetrieb der Stufe null oder eins (die Skala für nukleare Ereignisse geht bis sieben: „Katastrophaler Unfall“).

Indes warnt Greenpeace in einem jüngsten Bericht vor Sicherheitsmängeln rund um die Abklingbecken für abgebrannte Brennelemente. Mit einer Aktion vor zwei Wochen verlieh die Umweltorganisation ihrem Protest Nachdruck: Greenpeace-Aktivisten zündeten auf dem AKW-Gelände in Cattenom ein Feuerwerk. Die Botschaft: Für Unbefugte ist es ein Kinderspiel, in die Nähe des Kernreaktors zu gelangen. „Das Atomkraftwerk ist vor einem terroristischen Angriff nicht ausreichend geschützt“, teilte Krämer daraufhin mit. Auch der Grünen-Landesvorsitzende Markus Tressel betonte, wie wichtig es sei, dass die neue Bundesregierung auf den Atomausstieg in Frankreich dränge. Das störanfällige Cattenom gehört nicht zu den 17 Reaktoren, die die französische Regierung bis 2025 abschalten will. Laut Betreiber EDF sollen die Reaktoren in Lothringen bis nach 2040 am Netz bleiben. Auch Präsident Emmanuel Macron hatte Ende August bei seinem Besuch in Luxemburg betont, dass er Cattenom beibehalten wolle.

Sollte im lothringischen Atomkraftwerk ein nuklearer Ernstfall eintreten, ist ein Evakuierungsradius von 25 Kilometern vorgesehen. Ende September hatte die Landesregierung als Präventivmaßnahme die Ausgabe von Jodtabletten an saarländische Landkreise und die Landeshauptstadt veranlasst.

Ein weiteres Sorgenkind ist das knapp 180 Kilometer von Saarbrücken entfernte Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass. Es ist Frankreichs ältestes AKW. Die Schließung ist für 2019 geplant. Aber: Es ist das erste Mal, dass ein 900-Megawatt-Reaktor vom Netz genommen wird. Sicherheitsrisiken bleiben.