Der ehemalige Weltmeister der Formel 1 Michael Schumacher wird 50

Ex-Formel-1-Star : Zu „Schumis“ 50. Geburtstag bleibt nur die Erinnerung

Nach seinem Ski-Unfall vor fünf Jahren wird der Ex-Formel-1-Star weiter abgeschirmt.

Was bleibt, ist die Erinnerung. „Natürlich rückt mir immer als erstes der Moment in den Kopf, als Michael mir damals den Siegeskranz beim Kartrennen übergeben hat“, sagt Sebastian Vettel. Damals war er noch ein Bub, der Michael ein Star. Schon lange ist er nun sein Kumpel, noch länger sein Vorbild.

Michael, das ist Michael Schumacher. Der siebenmalige Weltmeister, der 91-malige Grand-Prix-Gewinner, der Rekordmann der Formel 1. Michael Schumacher Superstar. Ein Superstar ohne Bühne. Seinen heutigen 50. Geburtstag wird Schumacher abgeschirmt von der Öffentlichkeit erleben.

Auf der Kartbahn nahm Michael Schumachers beispiellose Karriere ihren Anfang. 1987 wurde er Europameister. Foto: picture-alliance / Panimages/dpa Picture-Alliance / Panimages

Es war der Skiunfall am 29. Dezember 2013 in den französischen Alpen, der Schumachers Dasein von einer Sekunde auf die andere mehr veränderte als seine unzähligen Erfolge, Titel und Auszeichnungen, als seine Crashs auf vier und zwei Rädern, als alle sportlichen Triumphe und Tragödien auf der Rennstrecke.

Die Schwere der Verletzungen und ihre Folgen, all das wurde am Morgen danach schmerzhaft klar. Das Leben des Michael Schumacher, der in seiner Karriere aberwitzig viele Kilometer in über 700 PS starken Rennwagen fuhr und bis auf einen Schienbeinbruch zumindest auf vier Rädern keine schwereren Verletzung davongetragen hatte, war nicht mehr dasselbe. Wie es Schumacher nach seinem schweren Schädel-Hirn-Trauma mittlerweile geht? Das wissen nur Vertraute, Informationen werden nicht publik gemacht.

Als Rennfahrer wurde Michael Schumacher zu einem Phänomen. Ein Außergewöhnlicher in seinem Metier. Ein Grenzenverschieber, ein Bessermacher. „Michael Schumacher konnte Dir Löcher in den Bauch fragen. Er wollte einfach wissen, worüber er spricht“, erklärt der langjährige Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Was er machte, wollte Schumacher richtig machen. Perfekt. „Eine Eigenschaft, die ich wirklich faszinierend fand, war die Energie, die er in diesen Beruf stecken konnte, ins Rennfahren. Das war Wahnsinn, grenzenlos und echt unglaublich“, erzählt Nico Rosberg, der für drei Jahre Schumachers Teamkollege bei Mercedes war, als der gebürtige Kerpener nach ebenfalls drei Jahren Rennpause ab 2010 ein Comeback feierte.

Schumacher wurde früh zum Sinnbild eines bis in die letzten Muskeln durchtrainierten Fahrer­athleten, unter T-Shirts und Hemden zeichneten sich die Muskeln ab. Schumacher trieb auch den Kampf um mehr Sicherheit voran. Nicht ohne Grund. Er erlebte einige der dunkelsten Stunden der Formel 1 hautnah mit. Er war am 1. Mai 1994 dabei, als Ayrton Senna, eine Ikone der Motorsport-Königsklasse, tödlich in Imola verunglückte. Es war das schwarze Wochenende der Formel 1. Einen Tag vor Senna hatte der Österreicher Roland Ratzenberger einen Unfall nicht überlebt. Schumacher gewann das Rennen, er gewann in diesem Jahr auch zum ersten Mal die Weltmeisterschaft.

Aber was macht eigentlich einen Weltklasse-Rennfahrer aus? Wird man als solcher geboren? „Man stellt sich das Rennfahren manchmal auch ein bisschen falsch von außen vor, so, als wäre es vom Wahnsinn getrieben. Genau das ist es nicht“, sagt Haug: „Es ist hochgradige Beherrschung bei höchster Geschwindigkeit.“ Und das Wissen, dass jeder Fehler verheerende Folgen haben kann. Schumacher beherrschte die Gratwanderung. In jeder Hinsicht. Er reizte die Grenzen aus, auch die des Regelwerks, auch die des Verhaltens auf der Strecke. Sein schwerster Formel-1-Unfall ereignete sich 1999 in Silverstone, Schumacher erlitt einen Schienbeinbruch. Ein Jahr später begann seine Titel-Ära mit Ferrari mit fünf WM-Triumphen in Serie.

„Er hat einen Maßstab an Dominanz gesetzt, auch wenn es manchmal kontrovers zuging“, sagt Damon Hill. Der 58 Jahre alte Brite weiß, wovon er redet. In der Liste der Rivalen, die mit Schumacher um die WM kämpften, taucht auch Hill auf. 1994 fuhren sich die beiden WM-Gegner ins Auto, 1995 musste sich Hill erneut seinem Rivalen im Benetton geschlagen geben. 1996 besiegte der Engländer dann den Deutschen.

Schumacher erarbeitete sich seine Erfolge. Kfz-Mechaniker, keine wohlhabenden Eltern, der Vater arbeitete unter anderem als Platzwart einer Kartbahn, die Mutter betrieb den dortigen Kiosk. Der Aufstieg eines einfachen Jungen aus einfachen Verhältnissen. Mit vier Jahren saß er im Kart – besser: in einem Kettcar mit Mofa-Motorantrieb – auf der Bahn in Kerpen. „Schumacher war in jungen Jahren oft im Regen unterwegs, um die technischen Defizite des Eigenbaus auszugleichen. Hier wurde das Fundament für die einzigartige Fahrzeugbeherrschung des späteren Weltmeisters gelegt“, schreibt das Magazin „auto, motor und sport“ in einer Sonderedition zum 50. Geburtstag von Schumacher. Später wechselte er zusammen mit Bruder Ralf und dem Kartclub auf die Bahn in Kerpen-Manheim.

Da sind sie wieder, die Erinnerungen. Wie eine Zeitreise. Mehr ist den Fans in den fünf Jahren seit Schumachers Skiunfall nicht geblieben. Als Ort des Erinnerns dient auch eine Ausstellung in Marburg. „Natürlich fehlt Michael an Tagen wie heute“, sagte seine Managerin Sabine Kehm bei der Eröffnung im Februar 2016. Erinnert wird an sieben WM-Titel, an über 300 Rennen, an legendäre Zweikämpfe, an Ausraster, wie im WM-Finale 1997, als er seinen damaligen Widersacher Jacques Villeneuve in Jerez de la Frontera von der Piste rammte.

Auch in Maranello werden die Erinnerungen ab heute wieder besonders intensiv werden. Das Ferrari-Museum bei Modena widmet seinem erfolgreichsten Piloten eine Ausstellung. Der langjährige Weggefährte Jean Todt, Ex-Ferrari-Teamchef, dürfte sie sich auch ansehen. „Wir lieben uns, weil wir gemeinsam eine unglaubliche Geschichte geschrieben haben“, sagte Todt jüngst über Schumacher. „Die Zeit mit Michael wird mir immer als die beste meines Lebens in Erinnerung bleiben.“

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