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Der Diskurs ums Kopftuch darf nicht abbrechen

Kommentar : Kopftuch-Diskurs blüht weiter

Welchem Zweck dient der „Welt-Kopftuch-Tag“? Natürlich wurde er nicht erfunden, um die Kritik an der Verhüllung zu untermauern. Sonst hieße der Slogan nicht „Frei im Hidschab“.

Er appelliert vielmehr an alle, die sich mit der Toleranz gegenüber dem Schleier schwer tun – oder ihn sogar ablehnen. Und bestätigt indirekt auch diejenigen, die Frauen unter die Knute des Kopftuchs zwingen. Unterstützt wird der Tag weitgehend von Musliminnen, die ohnehin die Freiheit genießen, sich für oder gegen die Verhüllung zu entscheiden. Eine Minderheit selbstbewusster Frauen also, die mit dem Kopftuch stolz und gelegentlich trotzig ihre Religion, den Islam, demonstrieren. Einer eher weniger hörbaren Gruppe von Musliminnen unter dem Joch des Hidschabs hilft die Aktion primär aber nicht. Im Gegenteil. So, wie sie von der Initiatorin Nazma Khan konzipiert wurde, dient sie eher dazu, eine Tradition zu zementieren, die Gleichstellung und Selbstentfaltung der Frau in der muslimischen Gesellschaft negiert. In dieser Form entzieht sie Musliminnen, die den heiklen Versuch wagen, das Tuch abzulegen, Rückhalt und Solidarität. Eine Solidarität, die auch jene nötig hätten, die nur vorgeben, es freiwillig zu tragen – aus Furcht vor familiären Konsequenzen. Dass dieser Tag nun so heftig und  kontrovers diskutiert wird, ist wiederum ein großer Gewinn. Denn der Diskurs um den Hidschab sollte nicht abreißen.