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Der Berliner Vorhang ist endgültig gefallen

Der Berliner Vorhang ist endgültig gefallen

Berlin. Von draußen guckt Willy Brandt ziemlich grimmig hinein in den großen Saal der Landesvertretung Rheinland-Pfalz. Dort sitzt auf dem Podium einer, der eigentlich viel länger in seine Fußstapfen treten wollte, wenn man ihn denn gelassen hätte: Kurt Beck. Es ist düster im Saal, so wie der Blick der Brandt-Skulptur im Garten

Berlin. Von draußen guckt Willy Brandt ziemlich grimmig hinein in den großen Saal der Landesvertretung Rheinland-Pfalz. Dort sitzt auf dem Podium einer, der eigentlich viel länger in seine Fußstapfen treten wollte, wenn man ihn denn gelassen hätte: Kurt Beck. Es ist düster im Saal, so wie der Blick der Brandt-Skulptur im Garten. Die Sessel sind pechschwarz, das Podium ist in trübem Grau gehalten, die Gardinen sind zugezogen, das Buch, mit dem der zurückgetretene SPD-Chef unter dem Arm den Raum betritt, ist dunkel schattiert mit rotem und weißem Schriftzug. Alles wirkt wie gemalt für den Schlussakt der großen Berliner Beck-Tragödie. Festspiele waren es ja irgendwie nie. Er ist nicht wieder da, der Pfälzer. Nein, Beck schaut noch mal vorbei, um das zu tun, was viele tun, die aus Amt und Würden gejagt wurden oder aus Frust gegangen sind: Sie schließen ab, indem sie ihr Buch vorstellen, ihre Sicht. Beck - "Ein Sozialdemokrat" - hat im Vorfeld schon genug Andeutungen und Klarstellungen veröffentlicht. Den Königsmörder aus der Troika hat er zwar nie beim Namen genannt. Man weiß aber inzwischen, wie das war am Schwielowsee in Brandenburg vor drei Wochen, mit Steinmeier, Müntefering, den Heckenschützen der ersten und zweiten Reihe. Und trotzdem haben sich 140 Journalisten angemeldet. Der bundespolitisch Gescheiterte lockt immer noch die von ihm so ungeliebten Geier an. Dabei weiß jeder: Neues erfährt man nicht, keine Bombe wird platzen. Altkanzler Gerhard Schröder sollte das für eine Autobiografie arg dünne Buch ursprünglich vorstellen. Das wäre wenigstens noch mal brisant geworden, doch die Parteifreunde gehen lieber "auf Distanz" (Beck). Also lauscht man einem, der nach wie vor glaubt, im Berliner Betrieb hätte bestehen zu können, wenn man nur in der "breiteren Parteiführung" etwas mehr "füreinander eingetreten" wäre. Stattdessen überall Strippenzieher und "Geflüster von absurdem Unsinn". Dass Politik so oder so ähnlich funktioniert, dürfte allerdings kaum einer besser wissen als Beck, schließlich regiert er seit 14 Jahren in seinem Bundesland. Und dass nach seinem Abgang viele in der Partei erleichtert gewesen sind, dieser Eindruck "ist genau ein Teil des Hintergrundgequakes", wehrt er ab. Die Mühlen der Aufarbeitung mahlen, es sind Becks Mühlen, und mitunter hat man den Eindruck, hier wird viel eintönige Farbe über das Geschehene gepinselt. Was wirklich in ihm bebt, ist wohl, dass er zum ersten Mal in seinem Leben eine Aufgabe nicht zu Ende führen konnte. "Wenn man etwas angefangen hat, wird es fertig gemacht", ein Spruch, der seit seiner Kindheit oberstes Gebot gewesen ist. Glaubt man Beck, hatte er in der Hauptstadt dazu keine Chance; fertig gemacht worden vom "Wolfsrudel" ist anscheinend nur einer: Kurt Beck. Nachzulesen auf einigen der 208 Seiten. Sein Berliner Vorhang ist gestern gefallen.