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Den Parteien im Saarland läuft die Zeit davon

Den Parteien im Saarland läuft die Zeit davon

Wenn der Wahlkampf ein Marathonlauf ist, wie Helmut Kohl einmal gesagt hat, dann ist der Startschuss im Saarland am vergangenen Donnerstagabend nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche von CDU und SPD gefallen. Nur gleich losgelaufen ist da keiner. Der Schuss kam dann doch zu überraschend

Wenn der Wahlkampf ein Marathonlauf ist, wie Helmut Kohl einmal gesagt hat, dann ist der Startschuss im Saarland am vergangenen Donnerstagabend nach dem Scheitern der Sondierungsgespräche von CDU und SPD gefallen. Nur gleich losgelaufen ist da keiner. Der Schuss kam dann doch zu überraschend. Während das Startsignal für das Rennen bis zur Neuwahl noch bundesweit nachhallt, machen sich die Mannschaften an der Saar erst einmal warm, die Spitzenkandidaten-Läufer werden benannt und treten nach und nach in die Startlöcher. In den Teams schaut man jetzt auf die Uhr für den Countdown bis zum Wahltermin am 25. März und stellt fest: "Wenn der Wahlkampf ein Marathonlauf ist, dann müssen wir ihn im Sprinttempo zurücklegen", wie der saarländische Grünen-Generalsekretär Markus Tressel sagt.Das Sprinttempo werden die Parteien und ihre Spitzenkandidaten spätestens am 18. Februar erreicht haben. Dann müssen die Listenaufstellungen der Kandidaten jeder Partei stehen. Vier Tage später folgen die traditionellen Aschermittwochstreffen, sie werden die ersten großen Wahlkampfveranstaltungen sein. Während die CDU das Treffen in Schwalbach allein mit Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer bestreiten will, hat sich SPD-Landeschef Heiko Maas mit seinem Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel Unterstützung aus Berlin nach Siersburg eingeladen. In Saarlouis wird die Bundesvorsitzende Claudia Roth das saarländische Spitzen-Quartett der Grünen aus den Landeschefs Hubert Ulrich und Claudia Willger und den Ex-Ministern Simone Peter und Klaus Kessler verstärken. Die Linkspartei hat als Gastredner für das Aschermittwochstreffen in Wallerfangen Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi angefragt, die FDP für ihr Treffen in Dillingen ihren Berliner Generalsekretär Patrick Döring. Von beiden gibt es allerdings noch keine Zusage.

An der Sprintstrecke der saarländischen Wahlkämpfer wird sich spätestens ab März ohnehin allerhand bundespolitische Prominenz tummeln. Während die CDU dabei allein auf Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt, können die anderen Parteien gleich ganze Streckenabschnitte mit Prominenz bestücken. Die SPD erwartet Peer Steinbrück, Frank-Walter Steinmeier, Kurt Beck und Olaf Scholz. Bei den Grünen haben ihr Kommen zugesagt Cem Özdemir, Renate Künast, Jürgen Trittin und Katrin Göring-Eckardt. Die Saar-Liberalen holen sich Parteichef Philipp Rösler und Rainer Brüderle an die Strecke. Oskar Lafontaine, Fraktionschef im Landtag, wird von seiner neuen Lebensgefährtin und Vize-Parteichefin Sahra Wagenknecht angefeuert. Anreisen sollen auch die Parteispitzen Gesine Lötzsch und Klaus Ernst.

An der Strecke und anderswo werden sich zeitweise aber auch die Fastnachter drängen, was die Parteien vor organisatorische Probleme stellt. "Viele Hallen, in die wir für Wahlkampfveranstaltungen einladen wollen, sind zur Faschingszeit bereits ausgebucht", sagt Linken-Landeschef Rolf Linsler. Auch die Kürze der Zeit bis zum Zieleinlauf am 25. März vor oder im Saarbrücker Landtag birgt Probleme. Viele Agenturen, die die Wahlkampagne gestalten könnten, "sind auf die Schnelle nicht zu kriegen", so Linsler. FDP-Landeschef Oliver Luksic sagt: "Wir versuchen eine Agentur zu finden, aber vielleicht müssen wir auch ohne eine auskommen." Die CDU ist nach Angaben von Generalsekretär Roland Theis ebenfalls auf der Suche. Die Grünen verzichten gleich auf Hilfe von außen, die SPD hat sich die Saarbrücker Agentur HDW an Land gezogen.

Natürlich hat all' das seinen Preis. FDP-Landeschef Luksic spricht von einer "hohen fünfstelligen Zahl", die Linke von "mehreren hunderttausend Euro" - Geld, das unter anderem aus den Diäten der Abgeordneten gespeist wird. Und den Newcomern im Landtagswahlkampf fehlt: "Wir können uns vieles nicht leisten, wir müssen auch aus Zeitgründen improvisieren und werden vor allem Straßenwahlkampf machen", sagt Thomas Brück von der saarländischen Piratenpartei. "Bei uns überschlägt sich alles", sagt er, "aber wir schaffen das Rennen in den Landtag!"

Der Marathon hat begonnen. Um im Bild zu bleiben, könnte man meinen, dass SPD-Triathlet Heiko Maas gute Chancen hat - er hat auch schon angekündigt, dass "man mich sicher hier und da mal entlang der Saar laufen sehen" wird. Aber wie Altkanzler Kohl schon wusste: "Es kommt nicht darauf an, wer auf den ersten Metern vorn liegt, sondern wer am Schluss gewinnt." "Bei uns überschlägt sich alles."

Thomas Brück, Vize-Landesparteichef der Piratenpartei