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Debatte um Rente mit 67 gewinnt an Schärfe

Debatte um Rente mit 67 gewinnt an Schärfe

Berlin/Saarbrücken. Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zur Lage älterer Arbeitnehmer haben den Streit über die Einführung der Rente mit 67 zusätzlich angeheizt. Gut ein Jahr vor dem geplanten Einstieg in die Verlängerung der Lebensarbeitszeit sind demnach immer mehr Menschen zwischen 60 und 64 von Erwerbslosigkeit betroffen

Berlin/Saarbrücken. Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zur Lage älterer Arbeitnehmer haben den Streit über die Einführung der Rente mit 67 zusätzlich angeheizt. Gut ein Jahr vor dem geplanten Einstieg in die Verlängerung der Lebensarbeitszeit sind demnach immer mehr Menschen zwischen 60 und 64 von Erwerbslosigkeit betroffen. Waren im Oktober 2007 rund 34 500 Personen in diesem Alter arbeitslos, so sind es jetzt 145 500, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". CSU-Chef Horst Seehofer zeigte sich besorgt und forderte bessere Beschäftigungsmöglichkeiten für Ältere. Die Politik dürfe nicht immer erst reagieren, "wenn eine Katastrophe eingetreten ist", warnte er. Vielmehr müsse man "präventiv so handeln, dass es keine sozialpolitischen Verwerfungen gibt". Nach Ansicht des stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Olaf Scholz wäre die Anhebung des Renteneintrittsalters ab 2012 "ein schwerer Fehler". "Wenn nicht mal ein Viertel der 60- bis 64-Jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt wird, ist die Zeit nicht reif", sagte er dem "Hamburger Abendblatt". Die SPD will den Einstieg in die Rente mit 67 davon abhängig machen, dass mindestens die Hälfte der 60- bis 64-Jährigen einen sozialabgabenpflichtigen Job besitzt.Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) bekräftigte jedoch, an der Rente mit 67 führe aus demografischen Gründen "kein Weg vorbei". Sie widersprach den Berichten, die Arbeitslosigkeit habe bei den über 60-Jährigen zugenommen: "Die Zahl der Älteren ohne Job ist in der Wirklichkeit nicht gestiegen, sondern die Statistik muss seit 2007 nur ehrlicher sein." Zugleich betonte sie: "Alle mittelfristigen Zahlen zeigen, dass die Chancen für Ältere am Arbeitsmarkt deutlich gewachsen sind." Der frühere Wirtschaftsweise Bert Rürup verteidigte derweil die Rente mit 67. "Ein Verzicht auf die damit verbundene längere Lebensarbeitszeit hätte jährliche Wachstumsverluste von bis zu 0,3 Prozent zur Folge", sagte er unserer Zeitung. In den nächsten Jahrzehnten würden jährlich bis zu 150 000 Ältere mehr aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, als Jüngere nachrücken. dpa/dapd/vet