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„Das war die saarländische Freude“

„Das war die saarländische Freude“

Die journalistische Karriere von Peter Scholl-Latour begann Ende der 40er Jahre bei der Saarbrücker Zeitung. Diese Zeit ist ihm bis heute in guter Erinnerung. Mit Scholl-Latour sprach SZ-Redakteur Jörg Wingertszahn.

Herr Scholl-Latour, was ist Ihnen von Ihrer Zeit im Saarland besonders in Erinnerung geblieben?

Scholl-Latour: Vor allem die sehr fröhliche und angenehme Zeit, die ich bei der Saarbrücker Zeitung verbracht habe. Wir waren natürlich alle noch sehr jung, die meisten von uns waren Volontäre. Und wir haben viel Spaß gehabt. Ich habe gleichzeitig noch studiert und bin zwei Mal die Woche nach Paris an die Universität gefahren.

Wann war das genau?

Scholl-Latour: Ich habe 1948 angefangen und bin 1950 außenpolitischer Redakteur geworden. Zu der Zeit habe ich auch mit meinem großen Reisen angefangen. Die Saarbrücker Zeitung war dabei immer mein fester Bezugspunkt.

Und Ihre Zeit als Regierungssprecher im Saarland?

Scholl-Latour: Das war im Grunde genommen eine sehr lockere Zeit. Wir waren ja gespalten in Ja-Sager und Nein-Sager, auch in der Redaktion. Aber wir haben untereinander einen sehr kameradschaftlichen Umgang gepflegt. Wir haben uns oft abends getroffen und was zusammen getrunken. Das war die saarländische Freude.

Wie beurteilen Sie das Saarland heute?

Scholl-Latour: Ich habe neulich per Zufall im Fernsehen die "Narrenschau" gesehen. Das hat mir gut gefallen. Ich war ganz erstaunt, wie witzig es gemacht war. Und vor allem hat mir Frau Kramp-Karrenbauer als Putzfrau imponiert, wie sie auf echt saarländisch aufgetreten ist, mit dem Dialekt und alles. Und da hatte sie einen sehr schönen Spruch: Ich bin ja jetzt Putzfrau im Landtag und wenn wir jetzt Französisch als zweite Landessprache einführen, dann bin ich die femme de manège (lacht herzlich).

Was halten Sie denn von dem Plan mit der Zweisprachigkeit?

Scholl-Latour: Wenn das verwirklicht werden könnte, finde ich das gut. Wir brauchen ja im Saarland ein bisschen Sondercharakter. Und was die Luxemburger können, werden die Saarländer ja wohl auch können.

Im Saarland gab es auch viel Kritik an den Plänen, weil Englisch zu kurz kommen könnte.

Scholl-Latour: Das eine schließt das andere ja nicht aus. Englisch kann man auch nebenbei lernen. Ich bin auch perfekt auf Deutsch und Französisch und spreche trotzdem gut Englisch. Einem normal intelligenten Menschen ist es gegeben, auch noch Englisch zu lernen.

Wie werden Sie Ihren 90. Geburtstag verbringen?

Scholl-Latour: Ich habe hier in Berlin einen Verlag, und der Verlag wird für mich eine Feierlichkeit veranstalten. Helmut Schmidt wird ein Grußwort schreiben. Das wird bestimmt sehr nett.