„Das Studienpensum ist heute sehr hoch“

„Das Studienpensum ist heute sehr hoch“

Der Vorsitzende der Studierendenschaft der Universität des Saarlandes spricht mit SZ-Redaktionsmitglied Patricia Heine über den Leistungs- und Erwartungsdruck, dem Studenten heute ausgesetzt sind.

Sind Studenten heute nicht mehr belastbar genug?

Sicheneder: Natürlich sind Studierende von heute noch belastbar. Gerade mit der Umstellung auf Bachelor und Master müssen sie viel größerem Druck standhalten. Viele Unternehmen erwarten, dass die Bewerber ihr Studium in der Regelstudienzeit abschließen, am besten noch viele Praktika nebenbei machen und bei Berufseinstieg schon mehrere Jahre Berufserfahrung mitbringen.

Kann ein Student die Anforderungen der Gesellschaft überhaupt noch erfüllen?

Sicheneder: Das Studienpensum ist heute sehr hoch. Im Bachelor/Master-System hat man ständig Prüfungen. Das war früher einfacher. Da haben sich Prüfungen eher auf das Studienende fokussiert, und man hatte mehr Freizeit, mehr Gestaltungsräume. Heute ist alles verschult. Stundenpläne sind komplett vorgegeben. Zwischenprüfungen sind ständig integriert. Semesterferien gibt es heute gar nicht mehr. Es heißt nur noch vorlesungsfreie Zeit. In der Zeit muss man Pflichtpraktika machen oder lernen. Also im Prinzip ist man die ganze Zeit unter Druck und muss Leistung erbringen. Der Erwartungsdruck ist auch unheimlich hoch. Es ist natürlich ein Problem, wenn man mit 17 oder 18 aus der Schule kommt und direkt anfängt zu studieren. Man muss erst an der Uni ankommen und merken, ob einem der Studiengang liegt. Die Zeit hat man aber nicht. In dem Alter hat man noch keine stabile Persönlichkeit, die man aber braucht.

Worin liegt denn der Hauptstressfaktor für Studenten ?

Sicheneder: Natürlich in den vielen Prüfungen. Nebenbei muss man sich sein Studium finanzieren. Wer kein Bafög bekommt, muss jobben. Das Studium in der Regelstudienzeit zu Ende zu bringen, ist nicht mehr möglich. Von einem Studierenden wird erwartet, dass er 40 Stunden die Woche Vollzeit studiert. Das alles ist Druck. Da brauchen Studierende manchmal ein Ventil. Deswegen feiern sie mal und trinken Alkohol. Aber nicht ständig, wie ihnen der Ruf vorauseilt. Sie haben heute andere Ansprüche, sind sehr fokussiert auf ihre Berufsausbildung, wollen gute Noten und haben Angst, dass sie später keinen guten Job bekommen.

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