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Das Saarland ist kein „Millionär“ mehr

Das Saarland ist kein „Millionär“ mehr

Die schlechte Nachricht zuerst: Das Saarland schrumpft drastischer als bislang erwartet. Längst ist die Einwohnerzahl unter die Millionen-Marke gesunken.

Zum Zensus-Stichtag am 9. Mai 2011 lebten noch 999 623 Menschen im Saarland - weniger also als in der Stadt Köln mit knapp über einer Million Einwohner. Bereits Ende 2011 war die Zahl der Saarländer weiter auf 997 855 gesunken. Auf die niedrigste Zahl übrigens seit Ende 1956, als das Saarland mit 1 005 173 Einwohnern erstmals "Millionär" wurde.

Die erbaulichere Nachricht überbrachte am Freitag der saarländische Finanzminister Stephan Toscani: "Die Situation im Saarland ist besser als in den meisten anderen Ländern", tröstete er bei der Vorstellung des Zensus - dem ersten übrigens seit 1987. Schließlich, so der Minister, stehe das Saarland mit einem Defizit von "lediglich" minus 1,53 Prozent gegenüber der bisherigen Schätzung auf einem achtbaren Platz fünf unter den 16 Bundesländern.

Bedeutet nun der Rückgang auch, dass der Landesregierung beim Thema Länderfinanzausgleich eine weitere Zitterpartie bevorstehen könnte? Toscani sieht keinen Grund zu größeren Befürchtungen, sei das Bevölkerungsdefizit doch in den meisten anderen Bundesländern vergleichsweise krasser ausgefallen.

Weit besorgter äußerte sich indes der Präsident des Saarländischen Städte- und Gemeindetags, der Merziger Oberbürgermeister Alfons Lauer. Er rechnet damit, dass die neuen Zahlen Auswirkungen auf den kommunalen Finanzausgleich haben werden. Die Landesregierung müsse "Übergangslösungen finden für den Fall, dass die ein oder andere Gemeinde vom Bevölkerungsrückgang besonders negativ betroffen ist", forderte er. Was bedeutet, dass die Politik den möglichen finanziellen Nachteil für solche Kommunen erst einmal abfedern muss. "Denn die Gemeinden haben ihre Haushalte ja auf der alten Basis geplant", so Lauer.

Auf die Verwaltung der saarländischen Kommunen werde der Zensus vorläufig keine Auswirkungen haben. Oberbürgermeister würde hierzulande also auch derjenige bleiben, dessen Gemeinde den neuen Zahlen zufolge unter die maßgebliche 30 000-Einwohner-Marke gesunken ist. "Er behält seinen Rechtsstand bis zum Ablauf seiner Amtszeit", erklärte Lauer. "Das ist im Saarland gesetzlich so geregelt." Auch an den Strukturen der saarländischen Kommunen will der Städte- und Gemeindetag nicht rütteln: Eilfertige Zusammenlegungen soll es nicht geben. "Wir sind gegen kommunale Zwangsehen", betonte der Präsident. Allerdings rechne er damit, dass der Zensus der Diskussion um die "interkommunale Zusammenarbeit" einen Schub geben werde.

Einen kräftigen Schub erwartet auch IHK-Chef Volker Giersch angesichts des Bevölkerungsrückgangs - und zwar von der Landesregierung. Diese müsse dem Fachkräftemangel entschiedener als bislang entgegentreten, um eine "Wachstumsbremse" zu verhindern. Giersch drängte erneut darauf: "Das Saarland muss Zuwanderungsland werden."

Aufschlussreiche Zahlen hält der Zensus denn auch in diesem Zusammenhang bereit: Gab es im Saarland von 1990 bis 1999 noch 36 670 Zuwanderer, waren es zwischen 2000 und 2011 lediglich 26 180 Menschen. Insgesamt lebten hierzulande zum Stichtag 9. Mai 2011 rund 161 000 Menschen mit Migrationshintergrund (16,2 Prozent der Saar-Bevölkerung). 60 Prozent davon waren deutsche Staatsbürger. Jeder Sechste im Saarland ist also nach Deutschland zugewandert oder Nachkomme von Zugewanderten.

Spitze sind die Saarländer wie eh und je beim eigenen Häuschen: 58,1 Prozent "selbstgenutztes Wohneigentum" - da kann der Rest der Republik mit 43,2 Prozent nicht mithalten. Zudem lieben's die Saarländer großzügig: Mit 103 Quadratmetern verfügen Wohnungen über 14 Prozent mehr Wohnfläche als der Bundesschnitt mit 90,6 Quadratmetern. Dabei hat das Einfamilienhaus hier weiter die Nase vorn: Die Anzahl der Wohnungen je Gebäude liegt laut Statistik zufolge mit 1,6 unter dem deutschen Schnitt (2,2 Wohnungen je Gebäude). Mehr als die Hälfte der 510 353 Wohnungen im Saarland sind mit mindestens fünf Räumen ausgestattet und über 40 Prozent mit drei oder vier.