Insolvente Fluggesellschaft: Das Saarland am Tag nach dem Sinkflug

Insolvente Fluggesellschaft : Das Saarland am Tag nach dem Sinkflug

Nicht nur Minister Maas landete gestern verspätet in Ensheim. Dennoch glaubt er, dass die Air-Berlin-Insolvenz nicht das Ende ist.

Es ist ein Tag wie zuletzt so viele am Flughafen Saarbrücken. Für die Passagiere von Air Berlin heißt es warten. Der ankommende Flug aus der Bundeshauptstadt hat fast eine Stunde Verspätung. Die sei bei der Abfertigung in Berlin entstanden, heißt es am Mittwochnachmittag von Seiten des Flughafens Ensheim. Das ist nichts Neues. Verspätungen und Ausfälle haben sich bei Air Berlin zuletzt gehäuft. Am Dienstag folgte die Insolvenz der angeschlagenen Fluglinie.

Deshalb sind die wartenden Passagiere froh, dass die Maschine zurück nach Berlin überhaupt fliegt. Robert Graf, gebürtiger Pirmasenser und Wahl-Berliner, sitzt mit seiner Frau Margit und seinem Schwager Thomas Nowak im Terminal. Die Drei waren für ein Familientreffen in der Region. Dann kam die Nachricht von der Insolvenz. „Ich habe erst einmal einen Schrecken bekommen“, sagt Robert Graf. Doch dann habe es geheißen, dass der Flugbetrieb weiter gehen soll. Trotzdem habe er sich erst einmal erkundigt, ob die Maschine nach Hause auch wirklich fliegt. Graf glaubt nicht, dass er das nächste Mal wieder Air Berlin bucht. „Das wäre mir zu riskant“, sagt er.

Auch der Berliner Karsten Klein, der oft geschäftlich in der Region zu tun hat, wartet auf seinen Heimflug. Die Meldung von der Insolvenz sei für ihn allerdings keine Schreckensnachricht gewesen – im Gegenteil: „Ich bin froh, wenn diese Fluggesellschaft endlich vom Markt verschwindet“, sagt Klein. Zu unzuverlässig sei Air Berlin. Er hoffe darauf, dass bald eine andere Gesellschaft die Linie bediene. So lange werde er erst einmal noch mit Air Berlin fliegen: „Zumindest bis ich meine ganzen Bonusmeilen verbraten habe“, sagt er schmunzelnd. Sonja Schmidt aus Wien, die Freunde in Frankreich besucht hat, weiß noch nicht, ob sie das nächste mal erneut Air Berlin bucht. Das stehe aber ohnehin erst wieder in sechs bis acht Monaten an. So lange will sie die Entwicklung bei der Fluggesellschaft genau verfolgen. „Im Moment ist es so, dass man es sich genau überlegen muss. Das Risiko ist einfach zu groß.“

Dann endlich landet die Maschine aus Berlin. An Bord ist auch Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). Er macht sich keine allzu großen Sorgen um die Zukunft der Berlin-Flüge ins Saarland. Auch wenn er sagt: „Wenn die Fluggesellschaft, die die Linie bedient, Insolvenz anmeldet, muss man natürlich schauen, wie es weitergeht.“ Allerdings sei die saarländische Landesregierung gut vorbereitet. Nach Ansicht von Maas finde sich immer eine Airline, die die Linie Saarbrücken – Berlin wirtschaftlich bedienen könne. Maas ist sich zudem sicher, dass die EU-Kommission den Überbrückungskredit des Bundes von 150 Millionen Euro an Air Berlin akzeptieren wird: „Wenn wir da nicht von ausgehen würden, hätten wir es nicht gemacht“, sagt der Bundesminister.

Einer mit einer überraschenden Haltung ist der Chef der Luxemburger Fluggesellschaft Luxair. Deren Vorstandschef Adrien Ney glaubt nämlich nicht, dass man die Air Berlin schon abschreiben sollte. Es werde zwar nicht die gleiche Airline bleiben, aber Ney geht fest davon aus, dass auch die aus der Air Berlin hervorgehende Nachfolge-Fluggesellschaft ein großes Interesse daran haben wird, die Strecke zwischen Saarbrücken und Berlin zu bedienen. „Ich bin überzeugt davon, dass die auf dieser Verbindung weiterfliegen werden. Dafür ist das Ziel Berlin viel zu attraktiv. Das ist ein interessanter Markt“, sagt Ney. Auch Luxair habe Interesse, wenn sie gefragt werde. Bisher habe es jedoch keine Gespräche zwischen dem Flughafen und der Airline hierzu gegeben. Flughafenchef Thomas Schuck hält sich offiziell dazu bedeckt, mit wem man derzeit im Gespräch ist. „Wir benennen grundsätzlich niemanden, mit dem wir im Gespräch sind“, so Schuck. Doch auch er unterstreicht den besonderen Wert der Verbindung in die deutsche Hauptstadt aus saarländischer Sicht. „Wir haben mit Berlin eine eingeflogene und bewährte Strecke, mit der man Geld verdienen kann. Das Produkt, das Air Berlin mit der Anzahl der Verbindungen jenseits der aufgetretenen Schwierigkeiten angeboten hat, ist gar nicht so schlecht“, betont Schuck.

Margit und Robert Graf mussten gestern in Ensheim auf ihren Flug nach Berlin warten. Die Maschine von Air Berlin hatte Verspätung. Foto: BeckerBredel
Justizminister Heiko Maas flog gestern selbst mit Air Berlin. Foto: BeckerBredel

Doch vielen reißt längst der Geduldsfaden, weil sie schon großen Schaden sehen. Darunter ist auch die Präsidentin des Deutschen Hotel- und Gaststätten Verbandes an der Saar, Gudrun Pink. Sie äußert massive Kritik. „Wir haben in den vergangenen Wochen in der Hotellerie viel Geld verloren, weil Passagiere kurzfristig abgesagt haben, deren Flug ausgefallen ist. Das muss aufhören, weil unser Land sonst abgehängt wird.“

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