Das „Rom des Nordens“ feiert sein Erbe

Das „Rom des Nordens“ feiert sein Erbe

Was Völklingen vor 22 Jahren schaffte, feiert jetzt in Trier schon 30. Jubiläum: der Eintrag in die Weltkulturerbe-Liste. Gleich neun Denkmäler sind dort Unesco-Stätte. In diese wird Rheinland-Pfalz Millionen investieren.

Die Porta Nigra ist mehr als nur das besterhaltene römische Stadttor Deutschlands. Sie ist das Wahrzeichen einer Stadt, die über einen außergewöhnlichen Reichtum römischer Baudenkmäler verfügt. Wer wissen will, wie Römer bauten, beteten, badeten, wie sie kämpften, ihre Toten ehrten und ihre Bürger belustigten, der fährt nach Trier . Ins "Rom des Nordens". In jene Stadt, wo eines der größten Ereignisse der Menschheitsgeschichte vorbereitet wurde: der Aufstieg des Christentums.

Und so brauchte Trier 1986 keine allzu große Überredungskunst, um die Unesco dazu zu bewegen, gleich sieben römischen Baudenkmälern sowie Dom und Liebfrauenkirche den Status "Weltkulturerbe" zu verleihen. Im gleichen Jahr erhielt Stone-henge den Titel, wenig später Venedig und die Große Mauer in China. Völklingen musste bis 1994 warten, bis seine Hütte in die Liste der heute 41 Welterbestätten in Deutschland aufgenommen wurde. Der Stadt Trier ist das 30. Jubiläum eine Festwoche mit Konzerten und Sonderführungen wert, die heute mit einem Festakt startet.

"Was wir hier haben, ist etwas ganz Besonderes", sagt der für das Trierer Welterbe zuständige Archäologe Georg Breitner vom Landesmuseum. Unter den 41 Weltkulturerbestätten Deutschlands sind zahlreiche Einzelbauten wie der Speyerer oder Aachener Dom. Auch Köln hat nur den Dom, Messel nur eine Grube, Völklingen eine Hütte. Erst später erhielten ganze deutsche Altstädte den begehrten Titel - darunter Lübeck, Bamberg und Weimar. Porta Nigra, Kaiserthermen, Barbarathermen, Konstantinbasilika, Römerbrücke, Amphitheater, Igeler Säule, Liebfrauenkirche und Dom - dass so viele Einzelbauten wie in Trier unter den Schutz der Weltgemeinschaft gestellt werden, bleibt in Deutschland jedoch ein Sonderfall.

"Für uns ist das Welterbe das Wichtigste", sagt Patricia Ellendt, die für das touristische Marketing der Stadt verantwortlich ist. Der Unesco-Titel helfe ihr sehr bei der Vermarktung. Zwei Welterbestätten besichtige der durchschnittliche Trier-Tourist.

Damit Besucher sich noch lange an Thermen, Amphitheater und anderen Stätten erfreuen können, investiert Rheinland-Pfalz, dem ein Großteil der Bauwerke gehört, in den kommenden fünf Jahren rund zehn Millionen Euro. An den Kaiserthermen besteht dringender Handlungsbedarf: Das Mauerwerk muss restauriert werden. Ab 2020 wird ein Teil der Porta eingerüstet, um mürben Mörtel zu erneuern und schwarze Krusten zu entfernen. Die Basilika braucht neue Dachziegel. Und fünf Millionen Euro muss Trier ausgeben, um die stark befahrene Römerbrücke instand zu setzen. Denn der Welterbe-Titel - er verpflichtet.

Das Programm der Festwoche finden Sie auf der Internet-Seite www.zentrum-der-antike.de

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