Das Leid der Kinder

Die schweren Gewaltdelikte gegen Kinder sind in Deutschland 2013 zurückgegangen. Dennoch stirbt laut Kriminalstatistik fast jeden zweiten Tag ein kleiner Mensch durch die Hand eines anderen, meist eines Erwachsenen.

"Es ist nicht leicht, wenn man so ein Bündel auf dem großen Seziertisch liegen sieht", sagte der Rechtsmediziner Michael Tsokos von der Berliner Charité gestern bei einer Pressekonferenz. Wer kann Kindern wohl so etwas antun? Zwar ist im Jahr 2013 die Zahl der schweren Gewaltdelikte gegen Kinder zurückgegangen. Dennoch bleibt dieser gestern in der Hauptstadt vorgestellte Teil der polizeilichen Kriminalstatistik ein Dokument des Grauens.

So wurden im letzten Jahr 153 Kinder getötet (minus 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), 23 von ihnen durch vorsätzlichen Mord. Fast jeden zweiten Tag also stirbt ein kleiner Mensch durch die Hand eines anderen, fast immer eines Erwachsenen, bevor er überhaupt 14 Jahre alt geworden ist. Allerdings: 2004 lag die Zahl schon mal bei 233 Opfern. 72 versuchte Tötungsdelikte (minus sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr) und 4051 Fälle körperlicher Misshandlungen (plus 1,3 Prozent) kamen im vergangenen Jahr hinzu. Besonders erschreckend: 78 Prozent der getöteten und fast 50 Prozent der schwer misshandelten Kinder waren noch nicht einmal sechs Jahre alt.

Die Täter kommen fast immer aus dem familiären Umfeld, sind also Vater, Mutter, Geschwister, Onkel oder Großeltern. Der berühmte "schwarze Mann" ist die absolute Ausnahme. Noch höher ist die Zahl sexuell missbrauchter Kinder. 14 877 Opfer wurden bundesweit 2013 registriert, nur 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr. "Jeden Tag werden 37 Kinder in Deutschland sexuell missbraucht", sagte der Chef des Bundeskriminalamtes Jörg Ziercke. Die Betroffenen leiden oft ihr Leben lang an dem Geschehen.

Bei der Kinderpornografie wurden im letzten Jahr 6691 Fälle registriert. Das sind zwar 16,43 Prozent mehr als im Jahr davor, aber in früheren Jahren lagen die Zahlen zum Teil höher. Hier hängt die Statistik von den Ermittlungserfolgen der Fahnder ab; permanent sind im Bundeskriminalamt lediglich 27 bis 30 Beamte mit dieser Straftat befasst. Wenn sie den Verdacht haben, dass ein im Internet gezeigter Missbrauch womöglich noch andauert, gehen diese Fälle zudem sofort vor, um das Kind zu befreien. Ziercke sprach sich gleichwohl nicht für eine Personalaufstockung in seiner Behörde aus.

Und er rief Bürger, Ärzte und Betreuungspersonal zu großer Aufmerksamkeit auf. "Wer wegsieht, macht sich mitschuldig an dem Leid der Kinder."

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HintergrundIm Saarland verlor 2013 laut polizeilicher Kriminalstatistik zwar kein Kind durch Gewalt sein Leben. Dennoch wurden 33 Fälle von Kindesmisshandlung mit insgesamt 40 Opfern registriert. 115 Kinder wurden sexuell missbraucht (2012: 114). Auf 58 gestiegen (2012: 43) ist die Zahl derer, die sich kinderpornografisches Material beschafft haben - 29 Täter haben solches verbreitet. tog

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