"Das ist zu kurz gesprungen"

Herr Dr. Hauptmann, Zuschläge sollen Ärzte nach dem Willen der Regierung in ländliche Regionen locken. Warum sträuben sich die Kassenärztlichen Vereinigungen so dagegen? Hauptmann: Zum einen hat sich in großen Studien gezeigt, dass man mit Geld allein die jungen Ärzte nicht aufs Land bekommt. Das ist zu kurz gesprungen

Herr Dr. Hauptmann, Zuschläge sollen Ärzte nach dem Willen der Regierung in ländliche Regionen locken. Warum sträuben sich die Kassenärztlichen Vereinigungen so dagegen?Hauptmann: Zum einen hat sich in großen Studien gezeigt, dass man mit Geld allein die jungen Ärzte nicht aufs Land bekommt. Das ist zu kurz gesprungen. Wir finden es zudem nicht in Ordnung, wenn man am Ende den Ärzten in den Städten das Geld für diese Zuschläge wegnimmt.

Warum helfen Zuschläge nicht?

Hauptmann: Meist sind die jungen Ärzte, wenn sie vor der Niederlassung stehen, in einem Alter, in dem sie Familien gründen. Und in den meisten Fällen ist auch der Partner berufstätig. Auf dem Land gestaltet sich diese Lebensplanung oft schwierig. Da sagen sich die jungen Kollegen: Lass' uns doch in die Großstadt gehen, dort können wir beide arbeiten, und es sind auch Kinderkrippen vorhanden.

Nach den Plänen der Regierung sollen die Länder künftig bei der Ärzteplanung mitsprechen. Ein vernünftiger Schritt?

Hauptmann: Ich sehe das zweischneidig: Als Vorteil zum einen, weil damit neben der Kassenärztlichen Vereinigung auch andere - etwa die Landesregierung - in der Pflicht stehen, sich um Lösungen zu bemühen. Auf der anderen Seite befürchte ich aber politische Interessen. Wenn die Kommunen dabei eine Rolle spielen, könnten wir nachher dasselbe Problem haben wie bei den Krankenhäusern: Dann nämlich, wenn etwa jeder Bürgermeister einen Kardiologen vor Ort haben will. Da lässt sich natürlich nicht mehr vernünftig planen.

Was halten Sie von einer Erhöhung von Medizin-Studienplätzen, um dem Ärztemangel zu begegnen?

Hauptmann: Im Grunde halte ich es für sinnvoll, wenn es tatsächlich dazu führt, dass wir dann mehr Ärzte nach dem Studium in die Niederlassung bekommen. Die Erhöhung allein hilft aber wahrscheinlich nicht. Nur wenn zusätzliche Studienplätze - zumindest für eine bestimmte Zeit - an gewisse Niederlassungsverpflichtungen gekoppelt sind, macht das Sinn.

Saar-Gesundheitsminister Weisweiler würde Medizin-Studenten gerne dazu verpflichten, einen Teil des praktischen Jahres in hausärztlichen Praxen zu absolvieren. Ist das ein positiver Ansatz?

Hauptmann: Ja. Erstens ist es wichtig, auch einen Teil des praktischen Jahres in einer Praxis zu absolvieren - bisher findet das ja komplett in Kliniken statt. Und zweitens wird sich das sicher auch auf die Anzahl der Hausärzte insgesamt positiv auswirken.