"Das ist Unfug"

Rostock. Günther Krause (Foto: dpa) ist dieser Tage wieder gefragt: Er ist der Mann, der als DDR-Staatssekretär vor 20 Jahren Geschichte schrieb. Am 31. August 1990 unterzeichnete Krause gemeinsam mit Wolfgang Schäuble den Einigungsvertrag. Ein "Dokument von höchster historischer Tragweite", wie Kanzler Helmut Kohl seinerzeit befand

Rostock. Günther Krause (Foto: dpa) ist dieser Tage wieder gefragt: Er ist der Mann, der als DDR-Staatssekretär vor 20 Jahren Geschichte schrieb. Am 31. August 1990 unterzeichnete Krause gemeinsam mit Wolfgang Schäuble den Einigungsvertrag. Ein "Dokument von höchster historischer Tragweite", wie Kanzler Helmut Kohl seinerzeit befand. "Wir haben damals die Dachluke genutzt, um den Besatzungsmächten zu entwischen", erinnert sich Krause an das turbulente Jahr 1990 und die ersten Anzeichen für den Zerfall der Sowjetunion. "Wir brauchten die Sowjetunion als Partner für die 2+4-Verhandlungen. 2+18 hätte alles komplizierter gemacht", erklärt Krause den damaligen Zeitdruck. Und so kommt er heute zu dem Schluss: "So vieles gibt es nicht, was man hätte anders machen sollen oder können." Dennoch hält der einstige Verkehrsminister, der sein Amt 1993 infolge der sogenannten Putzfrauen-Affäre und eines Umzugs auf Staatskosten aufgeben musste, mit Kritik an der Umsetzung des Vertrages nicht hinterm Berg. 40 Prozent, schätzt er, wurden nicht vertragsgerecht verwirklicht. Der Niedergang der DDR-Wirtschaft sei dadurch beschleunigt worden, dass es keine Folgeregelung für den Transfer-Rubel gab und somit der Export in den Ostblock zusammenbrach. Insgesamt aber habe die DDR "gut verhandelt", findet Krause: "Manche sagen, der Osten wäre vom Westen über den Tisch gezogen worden. Das ist Unfug." Krauses Comeback scheiterte 1998 mit einer erfolglosen Kandidatur für den Bundestag. dpa/ddp