Das Ende der Super-Sonderangebote in Frankreich

Neues Gesetz : Frankreich stoppt die Super-Schnäppchen

Französische Supermärkte dürfen Produkte nicht mehr unter dem Einkaufspreis verkaufen. Was Hersteller schützen soll, birgt neuen Gelbwesten-Zündstoff.

Die Supermarkt-Verkäuferin weiß von nichts. Im Pariser Intermarché in der Rue du 4 Septembre stapeln sich die Nutella-Gläser. 50 Prozent Rabatt, wenn der Kunde zwei Gläser statt einem kauft, verspricht das knallgelbe Preisschild. Das Problem: Solche Angebote sind seit Freitag in Frankreich verboten. Ab dem 1. Februar gilt das sogenannte Nahrungsmittelgesetz. Die junge Verkäuferin zuckt mit den Schultern und räumt weiter Regale ein. Um solche Probleme sollen sich andere kümmern.

Verabschiedet wurde das „Loi alimentation“ von der Regierung in bester Absicht. Es soll verhindern, dass es in Zukunft weiterhin zu den berüchtigten Preiskriegen zwischen den Supermärkten kommt. Mit den Super-Sonderangeboten wurden Kunden gelockt. Diese Schlachten werden allerdings meist auf dem Rücken der Produzenten ausgetragen. So klagen die französischen Landwirte schon seit Jahrzehnten, dass die Preise für ihre Produkte von den Einkäufern gedrückt würden und sie für ihre harte Arbeit immer weniger Geld bekämen.

Diese Klagen wurden nun politisch erhört. Um die Produzenten zu entlasten, hat die Regierung in Paris beschlossen, dass die Produkte in den Supermärkten nicht mehr zum Selbstkostenpreis – oder womöglich darunter – verkauft werden dürfen. Der Verkaufspreis in den Regalen muss mindestens zehn Prozent über dem Produktionswert eines Produktes liegen.

Die Verlierer der Neuerung sind anscheinend die Verbraucher, denn sie müssen damit mehr für ihren Einkauf bezahlen. Bis zu 40 Euro könnte das jeden Haushalt im Jahr kosten, rechnen Verbraucherverbände vor. Inzwischen kursieren Listen von Produkten, die wegen der neuen Regelung über Nacht deutlich teurer geworden sind. So kostet eine Flasche des in Frankreich sehr beliebten Anis-Schnapses Ricard nun fast 21 Euro, und damit fast zwei Euro mehr als vorher. Der Preis für ein 750-Gramm-Glas Nutella steigt von knapp vier Euro auf rund 4,40 Euro.

In Zeiten, in denen sich die landesweiten Proteste der sogenannten Gelbwesten an der Preiserhöhung von Benzin um einige wenige Cent entzündet haben und die Rentner wegen niedriger Pensionen und schwindender Kaufkraft seit Wochen zu Tausenden gegen die Regierung auf die Straßen gehen, birgt das neue Nahrungsmittelgesetz reichlich Sprengstoff.

Die betroffenen Supermarkt-Unternehmen sind nun bemüht, ihre Kunden nicht zu verschrecken, und versprechen, trotz der neuen Regelung, die Preise niedrig zu halten. Sie rechnen vor, dass in einem Supermarkt mit einem Angebot von rund 13 000 Produkten allenfalls 500 bis 600 Produkte betroffen seien. Das sind allerdings oft genau jene, die die Verbraucher immer wieder kaufen und deren Preise folglich sehr genau kennen. Wie etwa Ricard, Nutella, Joghurt und Camembert oder auch Coca-Cola. Um die Kunden in die Supermärkte zu locken, werden die Verkaufspreise dieser beliebten Waren oft kaum über dem Einkaufspreis kalkuliert. Wirklich verdient wird dann an anderen Produkten, die der Kunde ohne großen Preisvergleich in seinen Einkaufswagen legt.

Christiane Lambert, Präsidentin der Gewerkschaft der Landwirte FNSEA, verteidigt das neue Gesetz. Sie versichert, dass es jeden Franzosen höchstens 50 Cent pro Monat kosten würde. Die Verbrauchervereinigung UFC-Que hält dem entgegen, dass das Gesetz Mehrkosten von deutlich über einer Milliarde Euro für die Haushalte bedeuten würde.

Während sich die Interessenvertreter streiten, überlegen sich die Verantwortlichen in den Supermärkten, wie sie das Gesetz umgehen könnten, um die Kunden weiter in ihre Geschäfte zu locken. Da die Händler in Zukunft auf die für den Verbraucher attraktiven Aktionen mit Super-Sonderangeboten verzichten müssen, werden neue Wege versucht. Sie hoffen zum Beispiel, die Käufer mit Treuekarten an sich zu binden, deren Inhaber in den Genuss von attraktiven Angeboten kommen können.

Beobachter prophezeien allerdings, dass die Zeiten der „Preiskriege“ nicht vorbei sind. Die Schlachten würden sich nur auf einen anderen Sektor verlagern: den der Eigenmarken. Dort sind die verkauften Margen wichtiger und die Preise zwischen den verschiedenen Supermärkten weniger vergleichbar. So hat das Unternehmen Leclerc bereits angekündigt, die Preise für 4600 Produkte ihrer Eigenmarke Repère zu senken. Es ist eine Frage der Zeit, bis die Konkurrenz nachzieht.

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