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Das alte Kuba fährt auf neuen Wegen

Das alte Kuba fährt auf neuen Wegen

Schon seit Jahren hat die kubanische Staatsspitze einen Reformkurs eingeleitet. Der Neustart im Verhältnis zu den USA passt da ins Bild. Es könnte aber auch das Ende der kommunistischen Ordnung bedeuten.

In Kuba ist schon lange nichts mehr so, wie es einmal war. Die schöne alte kommunistische Ordnung ist seit vielen Jahren bereits durcheinander geworfen. Seit Raúl Castro 2008 die Fäden auch offiziell von seinem 2006 erkrankten Bruder Fidel übernommen hat, öffnet sich die Karibik-Insel im Eiltempo. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Wirtschaftsreformen, aber auch die politischen Liberalisierungen beginnen vorsichtig.

Die nun beschlossenen Veränderungen im Verhältnis zum gepflegten Lieblingsfeind im Norden passen zu diesem Kurs. Sie sind die weitestgehenden und gewagtesten Veränderungen der Regierung Castro in den vergangenen sechs Jahren. Denn sie können zur Stabilisierung des kubanischen Modells ebenso beitragen wie zu seinem Untergang. Fast im Wochenrhythmus verkündet die Regierung neue Reformen, Freiheiten oder Lockerungen. Diese betreffen vor allem die Wirtschaft.

Offiziell bleibt aber alles beim Alten, die Reformen heißen dann auch nur "Aktualisierung des Modells". Das Wort Kapitalismus mag in Kuba noch immer kein Offizieller in den Mund nehmen, wenn er von den Reformen spricht. Aber die Rhetorik ist das eine, die Realität das andere. Wenn es nach Vorstellung der Regierung geht, dann soll die staatlich gelenkte kubanische Wirtschaft mit internationalen Geldern aufgemöbelt werden.

Aber was ist die Triebfeder der Veränderungen in Havanna ? Ist es wirtschaftlicher Überlebensinstinkt oder die Einsicht darin, dass man sich nicht dauerhaft demokratischen und modernen Veränderungen verschließen kann? Es ist vermutlich eine Mischung aus beidem. Ein bisschen gorbatschowsche Weisheit steckt in Raúl Castro . Der 83 Jahre alte Chef in Havanna weiß das, was sein fünf Jahre älterer Bruder Fidel nie einsehen wollte: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." In Kuba droht diese Strafe in Form des wirtschaftlichen Kollapses daherzukommen. Seit Mittwoch ist nun einer der letzten Konflikte des Kalten Krieges beendet, der mit der Invasion in der Schweinebucht 1961 und ein Jahr später mit der Raketen-Krise die Welt an den Rand eines neuen Krieges brachte.

Raúl Castro machte auch deutlich, dass zu Beziehungen auf Augenhöhe noch ein weiter Weg zurückzulegen sei. Mit vier Worten umschrieb er das größte Hindernis bei der historischen Annäherung: "El bloqueo debe cesar." "Die Blockade muss aufhören." In Kuba nennt man das fast sechs Jahrzehnte alte US-Wirtschafts-, Handels- und Finanzembargo schlichtweg nur "die Blockade".

Das Embargo diente Raúl und Fidel Castro all die Jahre dazu, nach innen die Reihen gegen den Feind in Washington zu schließen und die Unzulänglichkeiten der Planwirtschaft auf "El bloqueo" zu schieben.

Dass Castro sich gerade jetzt offen zeigt für eine Versöhnung mit den USA, liegt auf der Hand. Der mit Abstand größte Sponsor der kubanischen Revolution und Haupthandelspartner Venezuela könnte bald seine Hilfe für die Brüder auf der Insel kappen müssen. Der Absturz des Ölpreises hat Venezuela in eine tiefe Rezession gedrückt und könnte dazu führen, dass Präsident Nicolás Maduro seine Rohstoffe und seine Petro-Dollar bald nur noch für die Aufrechterhaltung der eigenen Volkswirtschaft reichen. Das ahnt auch die kubanische Führung und schaut sich daher schon mal international nach neuen Geldgebern um.