Chronik der Verwerfungen

Saarbrücken. Als Meinrad Maria Grewenig nach der gestrigen Baustellen-Begehung zur Power-Point-Präsentation des Zwischenberichts zum Pannen- und Pleiteprojekt Vierter Pavillon lud, ließ er es sich nicht nehmen, die siebenseitige Chronik der Verwerfungen Satz für Satz vorzulesen

Saarbrücken. Als Meinrad Maria Grewenig nach der gestrigen Baustellen-Begehung zur Power-Point-Präsentation des Zwischenberichts zum Pannen- und Pleiteprojekt Vierter Pavillon lud, ließ er es sich nicht nehmen, die siebenseitige Chronik der Verwerfungen Satz für Satz vorzulesen. Erstellt hat sie das Saarbrücker Ingenieurbüro WPW, das von Grewenig (in seiner Rolle als geschäftsführender Vorstand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz) beauftragt wurde, Licht ins Planungsdunkel des Erweiterungsbaues zu bringen.Die brenzligste Frage, wie teuer dieser denn nun wohl schlussendlich wird, klammert die WPW-Bestandsaufnahme aus. Zuverlässige Kostenschätzungen seien aufgrund der "noch nicht abschließend zu überblickenden Planungs- und Steuerungsdefizite" gegenwärtig nicht möglich, heißt es zur Begründung. Umso detaillierter listet das Papier die zahllosen "grundlegenden Mängel in der Projektsteuerung" auf.

Mit Blick auf die mit dem gekündigten Projektsteuerer Gerd Marx - ein gelernter Innenarchitekt und Duzfreund des ehemaligen Kultusministers Jürgen Schreier - geschlossenen Verträge heißt es, die geflossenen Zahlungen würden nicht "den tatsächlich erbrachten Leistungen" entsprechen. Kein Zweifel wird daran gelassen, dass der "Projektsteuerer seine Pflichten nur unzureichend wahrgenommen hat". Grewenig jedenfalls zeigte sich gestern überzeugt, dass die Stiftung in dem Rechtsstreit mit dem Geschassten "exzellente Karten" habe. In elf Stichpunkten listet der Bericht dessen Versäumnisse auf. Moniert wird etwa, dass weder eine schriftliche Dokumentation der Planungsstufen vorliege noch ein Projekthandbuch erstellt worden sei - laut Grewenig "normalerweise eine vorgeschriebene Grundlage". Desgleichen existiere keine "aussagekräftige, nachvollziehbare und kontinuierliche Kostenverfolgung", heißt es im Zwischenbericht. Im Übrigen seien die von Architekten und Fachplanern vorgelegten Kostenermittlungen unzureichend überprüft worden. Das ganze planerische Desaster verdeutlicht die Aussage der WPW-Controller, dass "zu Planungsbeginn offensichtlich kein Überblick darüber bestand, welche Planungs- und Beratungsleistungen zur Abwicklung der Baumaßnahme erforderlich" waren.

Beispiele gefällig? "Unabdingbare Planungsbereiche" - etwa die Konzeption der Sicherheitstechnik, des Besucherleitsystems und der Kassen- und Zugangssysteme - wurden demnach außer Acht gelassen. Der Umbau der Modernen Galerie und der Neubau (der Vierte Pavillon also) wurden nicht synchronisiert, so dass bis heute für beide kein abgestimmtes Raumprogramm existiert. Was unter der Überschrift "Konzeptionelle Mängel und Planungsdefizite" verbucht wird, erweckt den Eindruck, dass an fast allen Ecken und Enden Nachbesserungen nötig sein werden. Ob nun mit Blick auf die vorgesehene Beleuchtung, die "nicht den musealen Anforderungen" entspreche oder das Forcieren der Rohbauarbeiten ohne maßgebliches Energiekonzept (Klimaanlage). Dieses fehlt noch immer.

Das organisatorische Chaos komplettierten (womöglich kostenintensive) Doppelbeauftragungen - insbesondere bei der technischen Ausrüstung. Einem beauftragten Büro wurde mit Verweis auf dessen angeblich zu hohe Kostenberechnungen gekündigt. Dumm nur, dass das zweite auserkorene Ingenieurbüro entgegen angekündigter Einspareffekte am Ende noch teurer kalkulierte. Irgendwann entfuhr gestern dann auch Meinrad Grewenig ob all dieser Verwerfungen der Satz: "Das Wundern war auch auf meiner Seite."