CDU triumphiert nach Aufholjagd

Daniel Günther schafft in Schleswig-Holstein einen klaren Wahlsieg, SPD-Ministerpräsident Torsten Albig erleidet ein Debakel.

Jubel bei begeisterten Schwarzen, Schock bei schwer geschlagenen Roten: Die CDU hat die mit Spannung erwartete Wahl in Schleswig-Holstein gegen die SPD gewonnen - und das überraschend klar. Mit deutlich über 30 Prozent lagen die Christdemokraten mit Spitzenkandidat Daniel Günther weit vor der SPD mit Ministerpräsident Torsten Albig, die beträchtlich unter 30 Prozent blieb und auf rund 27 Prozent abstürzte.

"Die Menschen haben gegen die Koalition des Stillstands gestimmt, weil sie eine Koalition des Aufbruchs wollen", rief Günther gestern Abend seinen Anhängern zu. Albigs seit 2012 regierende sogenannte Küstenkoalition mit Grünen und Südschleswigschem Wählerverband ist damit abgewählt. Der Ministerpräsident räumte die Niederlage ein: "Es ist ein bitterer Tag für die Sozialdemokraten und für mich." Der CDU gelang es damit erstmals seit zwölf Jahren wieder, aus der Opposition heraus ein Land zurückzugewinnen.

"Das ist ein großartiger Tag für die CDU in Schleswig-Holstein", sagte Günther und meldete seinen Machtanspruch an: "Wir haben einen klaren Regierungsauftrag." Machtoptionen bieten sich den Christdemokraten in Form einer großen Koalition oder eines Jamaika-Bündnisses mit Grünen und FDP. Günther kündigte an, mit allen Parteien außer der AfD Gespräche zu führen - und ließ erkennen, dass er eine Jamaika-Koalition bevorzugt. Angesichts der Abwahl von Albig sei ein Bündnis mit der SPD "eher unwahrscheinlich".

Günther hatte alles andere als einen leichten Start in den Wahlkampf. Erst im November hatten die Christdemokraten den 43-Jährigen zum Albig-Herausforderer gekürt, nachdem der vorige CDU-Spitzenkandidat und Landesparteichef Ingbert Liebing angesichts schlechter Umfragewerte plötzlich seinen Rückzug erklärt hatte. Ohnehin vermittelte die schleswig-holsteinische CDU mit einer Reihe von schnellen Wechseln an ihrer Spitze in den vergangenen Jahren ein eher chaotisches Bild. "Fakt ist, dass die häufigen Führungswechsel der vergangenen Jahre die größte Hypothek in diesem Wahlkampf sind", klagte Günther noch kürzlich. Am Ende aber bremste dieses Handicap den CDU-Spitzenkandidaten ebenso wenig wie die Popularität Albigs. Selbst SPD-Parteichef Martin Schulz zollte ihm Respekt für die "beachtliche Aufholjagd".

Auch wenn Günther in der breiteren Öffentlichkeit weniger präsent war als der SPD-Ministerpräsident, ist er ein ausgewiesener Politprofi. Seit 2009 gehört er dem Landtag an, war von 2005 bis 2012 CDU-Landesgeschäftsführer und ist seit 2014 CDU-Fraktionschef im Landtag. Der verheiratete Vater einer kleinen Tochter lebt in Eckernförde und ist ein begeisterter Hobbyläufer. Die Duelle mit Albig im Hörfunk und im Fernsehen nutzte Günther, um seine geringe Bekanntheit zu erhöhen und um sich politisch zu profilieren. Mit seinen Forderungen nach Abschaffung des "Turbo"-Abiturs am Gymnasium, größeren Abständen zwischen neuen Windanlagen und Wohnhäusern sowie einer Senkung der Grunderwerbsteuer dürfte er gepunktet haben.

Die Grünen mit ihrem über die Landesgrenzen hinaus bekannten Zugpferd Robert Habeck - bisher Umwelt- und Agrarminister - schnitten mit rund 13 Prozent deutlich besser ab als aktuell in den bundesweiten Umfragen. Habeck sprach von einem "Ende des Abgesangs auf die Grünen". Seine Partei habe eine deutliche Präferenz für eine Ampel mit SPD und FDP. Mit dem klaren Vorsprung der CDU und dem schwachen SPD-Ergebnis wäre eine "Ampel" aus SPD, FDP und Grünen politisch kaum vermittelbar. Damit stehen die Grünen unter akutem Wechseldruck. Sollten sie ihm nachgeben, könnte das die Grünen zerreißen.

Die Enttäuschung über die Niederlage steht Ministerpräsident und SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig ins Gesicht geschrieben. Foto: Rehder/dpa
Die Enttäuschung über die Niederlage steht Ministerpräsident und SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig ins Gesicht geschrieben. Foto: Rehder/dpa Foto: Rehder/dpa

Für die von ihrem mediengewandten Fraktionschef Wolfgang Kubicki angeführte FDP ist der Erfolg in Kiel mit mehr als elf Prozent das bundesweit beste Ergebnis seit September 2009. Damals holten die Liberalen 14,9 Prozent bei der Schleswig-Holstein-Wahl. Kubicki sagte, er könne sich eine erneute Regierung unter Führung von Albig nur "schwer vorstellen". Die AfD, die fast sechs Prozent erreichte, ist nun in zwölf von 16 Landtagen vertreten. Allerdings schnitten die Rechtspopulisten deutlich schlechter ab als noch vor einem Jahr, als sie bei allen Landtagswahlen zweistellige Ergebnisse einfuhren - und in Sachsen-Anhalt sogar 24,2 Prozent holten.