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Brexit ohne Abkommen kostet Saarland am Tag 277 000 Euro

Austritt ohne Deal : Brexit kostet Saarland am Tag 277000 Euro

Ohne Abkommen würde der EU-Austritt der Briten die Deutschen teuer zu stehen kommen. Allein im Saarland ginge es pro Jahr um 101 Millionen Euro.

Ein „No-Deal-Brexit“ würde das Saarland finanziell hart treffen: Laut einer gestern veröffentlichten Berechnung der Bertelsmann Stiftung müsste sich das Bundesland bei einem EU-Austritt der Briten ohne Vertrag auf einen Einkommensverlust von 101 Millionen Euro im Jahr einstellen. Das sind knapp 277 000 Euro am Tag und 0,29 Prozent des saarländischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 2017 (35,3 Milliarden Euro). Pro Kopf beliefen sich die Einbußen auf 101 Euro. Nur Hamburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Hessen würde ein solches Szenario noch härter treffen (siehe Grafik). Bei einem weichen Brexit müsste das Saarland den Berechnungen zufolge immer noch mit einem Verlust von jährlich 56 Millionen Euro rechnen.

Im Saar-Wirtschaftsministerium hält man die Bertelsmann-Zahlen für durchaus realistisch. Die reellen Auswirkungen würden allerdings von sehr vielen Faktoren abhängen und seien daher schwer exakt zu prognostizieren. Für Ministerin Anke Rehlinger (SPD) ist jedoch klar: „Egal, wie er ausgestaltet ist, der Brexit wird deutlich spürbare Auswirkungen auf die export­starke Saar-Wirtschaft haben.“ Man bereite sich auch auf den Worst Case eines harten Brexit vor. „In diesem Fall brauchen vor allem kleine und mittlere Unternehmen, die keine Erfahrung im Außenhandel mit Ländern außerhalb der EU haben, Beratung und Unterstützung“, betonte Rehlinger. „Wir können Betriebe zum Beispiel unterstützen, sich auf anderen Absatzmärkten zu etablieren. Dafür haben wir auch auf Landesebene Vorkehrungen getroffen.“

Auch der Hauptgeschäftsführer der Industrie und Handelkammer (IHK) Saarland, Heino Klingen, hält die Bertelsmann-Berechnungen für realistisch. „Die Zahlen überraschen mich in keinster Weise.“ Die Saar-Wirtschaft sei schließlich eng mit dem Fahrzeugbau verflochten. Und in diesem Sektor sei Großbritannien eines der wichtigsten Exportländer. Klingen hofft nun zumindest auf eine Vertragslösung im Brexit-Drama.

Insgesamt müssten sich die Deutschen bei einem Ausscheiden der Briten ohne Deal auf einen Einkommensverlust von fast zehn Milliarden Euro jährlich einstellen – das entspricht ungefähr 0,3 Prozent des BIP. Ein weicher Brexit wäre für Deutschland etwa halb so teuer.

Beim EU-Gipfel in Brüssel berie­ten die Mitgliedsstaaten gestern über den Wunsch der Briten, den Brexit zu verschieben. Dabei wurde am Abend ein Vorschlag diskutiert, die Briten erst am 22. Mai statt am 29. März austreten zu lassen, wie EU-Diplomaten während der noch laufenden Verhandlungen sagten. Voraussetzung sei, dass das britische Unterhaus den Austrittsvertrag doch noch billigt.