Bewegender Abschied von Peres

Obama stellt Peres auf eine Stufe mit Nelson Mandela und Königin Elizabeth, Clinton nennt ihn einen Freund. Die Trauerfeier für Israels Altpräsidenten spiegelt dessen Streben nach Einigkeit wider.

"Avinu Malkenu", "Unser Vater, unser König", singt der israelische Sänger David D'Or bei der Trauerfeier für Israels Altpräsidenten Schimon Peres . Die Worte von Peres' Lieblingslied erklingen am Freitag über dem Friedhof Herzl-Berg in Jerusalem . Sie drücken das Gefühl vieler Gäste aus - und nicht nur der Israelis. Als letzter Gründervater Israels, als Visionär, Friedensstifter und Optimist beschreiben die Redner den verstorbenen Friedensnobelpreisträger Peres vor rund 3000 Trauergästen. Der 93-Jährige war am Mittwoch gestorben. "Er hat die Welt nicht so gesehen, wie sie war, sondern wie sie sein sollte", sagt US-Präsident Barack Obama und ruft zu einer Fortsetzung des Nahost-Friedensprozesses auf. Er stellt Peres in eine Reihe mit großen Figuren der Zeitgeschichte: "Er erinnerte mich an viele Giganten, die ich getroffen habe, so wie Nelson Mandela , Königin Elizabeth - Anführer, die so viel miterlebt haben."

Mit seiner Teilnahme erweist Obama Peres die höchste Ehre - ein Schritt mit starker Signalwirkung. Peres verkörperte das Prinzip Hoffnung und Veränderung. Israels Präsident Reuven Rivlin verteidigt Peres gegen Vorwürfe seiner Kritiker, er sei naiv gewesen. "Wer wusste wie Du, welch hohen Preis die Naivität hat, aber gleichzeitig - wer glaubte wie Du, dass der Preis der Mittelmäßigkeit und Kleingläubigkeit noch viel höher ist", sagt er, wohl auch in Richtung von Regierungschef Benjamin Netanjahu .

Männer in Militäruniformen tragen den in eine Flagge gehüllten Sarg zur Trauerfeier. Ein Militärrabbiner rezitiert jüdische Trauergebete. Dem Sarg folgt die Familie von Peres mit Kindern, Enkeln und Urenkeln. Bei der Trauerfeier sitzt Obama in der ersten Reihe zwischen Peres' Sohn Chemi Peres und dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas . Peres' Familie hatte ihn eingeladen, wie Medien berichteten. Abbas und Netanjahu reichen sich vor der Feier die Hand.

Solche Treffen zwischen führenden Palästinensern und Israelis haben inzwischen Seltenheitswert. Das Begräbnis erinnert an bessere Zeiten, als die Beziehungen noch von Hoffnungen auf eine Lösung bestimmt waren. Obama mahnt in seiner Rede: "Die Anwesenheit von Abbas erinnert uns daran, dass das Friedenswerk noch nicht vollendet ist." Deutschland ist unter anderem durch Bundespräsident Joachim Gauck vertreten. Der spanische König Felipe VI. ist gekommen. Der englische Prinz Charles fällt mit einer königlichen Kippa auf: Seine jüdische Kopfbedeckung ist aus blauem Samt mit dem Wappen von Wales in Gold bestickt.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier schreibt anlässlich der Beerdigung in der Zeitung "Haaretz": "Deutschland trauert um einen hoch angesehenen, treuen Freund und Partner." Nach der Trauerfeier wird Peres auf dem Nationalfriedhof beigesetzt, allerdings nicht neben seiner Frau Sonja, die stets das Rampenlicht scheute, und ihrem Wunsch folgend 2011 auf einem anderen Friedhof im Zentrum Israels begraben wurde. Dafür liegt er nun ganz in der Nähe des 1995 ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Izchak Rabin.