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Berufungsgericht rollt „Rubygate“-Affäre Berlusconis neu auf

Berufungsgericht rollt „Rubygate“-Affäre Berlusconis neu auf

In Italien hat der Berufungsprozess gegen Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi in der „Ruby-Affäre“ begonnen. Dem 77-Jährigen werden Amtsmissbrauch und Sex mit minderjährigen Prostituierten vorgeworfen.

Freitag ist sein Tag. Gegen neun Uhr morgens setzt sich der Konvoi in Arcore bei Mailand in Bewegung. Der schwarze Audi und ein japanischer Kombi rollen dann die knapp 40 Kilometer von Silvio Berlusconis prächtiger Privatresidenz Villa San Martino nach Cesano Boscone. An diesem Freitag zum siebten Mal, seit die Mailänder Richter Berlusconi im vergangenen August wegen Steuerbetrugs verurteilt haben. Freitags, das ist der Tag, an dem Italiens viermaliger Ministerpräsident in einem Altenheim anrücken muss, um seine Strafe in Sozialarbeit mit Alzheimer-Patienten abzuleisten.

Dabei sollte er heute gar nicht hier sein, sondern in Mailand . Dort hat an diesem Morgen der Berufungsprozess im Fall "Ruby" begonnen. Berlusconi wurde in erster Instanz wegen Amtsmissbrauch und Sex mit einer minderjährigen Prostituierten zu sieben Jahren Haft verurteilt. Es geht um die "Bunga-Bunga"-Feste, die nach der Lesart des Angeklagten nur unterhaltsame Abendessen von ein paar älteren Männern und vielen jungen Damen waren. Die Richter aus der ersten Instanz erkannten hingegen ein System der Prostitution zugunsten des ehemaligen Ministerpräsidenten, in dem auch die junge Marokkanerin Karima el-Marough alias Ruby Rubacuori ("Ruby Herzensbrecherin") eine tragende Rolle spielte.

Als sie im Mai 2010 nach einem Streit mit ihrer Mitbewohnerin in die Mailänder Polizeiwache gebracht wurde, drohte Berlusconis schlüpfriger Zirkus aufzufliegen. Der damals noch amtierende Ministerpräsident telefonierte mitten in der Nacht eigenhändig mit den Funktionären in der Wache, verkaufte die minderjährige Prostituierte el-Marough als Nichte des ägyptischen Präsidenten Mubarak und wurde deshalb später wegen Amtsmissbrauch verurteilt. Bestätigen die Berufungsinstanz und das Kassationsgericht dieses Urteil, wird Italiens umstrittenster Politiker endgültig von der politischen Bildfläche verschwinden. Sein Dasein müsste er dann als knapp 80-Jähriger für Jahre im Hausarrest, also wohl im goldenen Käfig seiner Villa in Arcore fristen.